Auf Messers Schneide: Das Überleben der Wildpferde in der Namibwüste

Staubwolken erheben sich früh am Morgen im sandigen Boden der Namibwüste – und kommen langsam näher. Umrisse werden im Gegenlicht deutlich, lange Beinen, hohe Schultern und wehende Schweife. Es sind Pferde! In einer der trockensten Wüsten der Erde – was brachte die Tiere hierher?
Text: Fabian von Poser, Fotos: Cyril Ruoso / 10 Min. Lesezeit
Ein erbitterter Kampf unter Wildpferden. Es wird nur einen Gewinner geben.
Foto: Cyril Ruoso
Ein erbitterter Kampf unter Wildpferden. Es wird nur einen Gewinner geben.

Biologen nennen sie schlicht Namibs, nach ihrer Heimat, und halten sie für die widerstandsfähigsten Pferde der Welt. Schließlich überleben sie in einer Wüste, in der die Temperatur tagsüber oft über 45 Grad steigt und mitunter jahrelang kein Regen fällt. Es sind schöne Tiere, athletisch gebaut, mit schlanken Gliedmaßen. Experten sehen ihnen die Herkunft aus gutem Stall bis heute an.

Doch Kraft, Ausdauer und Genügsamkeit könnten bald nicht mehr ausreichen, dass sie überleben. Seit Jahren herrscht in der Wüste eine hartnäckige Trockenheit. Statt Gras, das nach feuchten Jahren hier hüfthoch wächst, finden die Pferde lediglich Wurzeln und Flechten. Zuletzt zählte die Herde nur noch 150 Tiere. Wenn es nicht bald ausgiebig regnet, werden die Namibs für immer aus der Wüste verschwinden.

Wie ein wilder Tanz, sieht der Kampf der Wildtiere aus.
Foto: Cyril Ruoso
Wie ein wilder Tanz sieht der Kampf der Wildtiere aus.

Wie die Pferde in die Wüste kamen

Eines der Pferde kommt noch näher, Details werden sichtbar: Unter der Haut zeichnen sich deutlich die Rippen ab, sie erinnern an Spareribs. Eine Hüfte: offen, blutig. Striemen, die von Krallen oder Zähnen herrühren könnten. Ein Raubtier? Mit dem Schweif fährt das Pferd über seine Hüfte und scheucht Fliegen aus der Wunde.

Es steht nicht gut um diese Tiere, welche von der Evolution nicht auf diese Lebensbedingungen vorbereitet wurden. Doch wie kamen sie überhaupt hierher? Wie konnten sie überleben? Die Antwort darauf geben die wechselhafte Geschichte dieses Landstrichs und drei engagierte Pferdeliebhaber, denen die Namibs ihr Überleben verdanken.

Lüderitz zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Stadt an der Westküste Afrikas ist Teil einer europäischen Kolonie, genannt Deutsch-Südwestafrika. Um das Hinterland kontrollieren zu können, bauen die Kolonialisten eine rund 350 Kilometer lange Bahnstrecke quer durch die Wüste in Richtung Osten. Das Wasser für ihre Dampfloks holen sie aus einem Brunnen, den sie etwa 90 Kilometer von der Küste entfernt, bei Garub, in den Sandboden schlagen.

Hier sammeln sich die Pferde, um Wasser zu trinken.
Foto: Cyril Ruoso
Hier sammeln sich die Pferde, um Wasser zu trinken.

Regelmäßig sind Bahnarbeiter damit beschäftigt, angewehten Sand von den Schienen zu schaufeln. Dabei findet im Jahr 1908 ein gewisser Zacharias Lewala einen Stein, der sich bei genauer Betrachtung als Diamant erweist. Sofort setzt ein heftiger Diamantenrausch ein. Oberbahnmeister Emil Kreplin, nebenbei auch Bürgermeister von Lüderitz, gründet eine Bergbaugesellschaft und wird schnell reich. Er beginnt, Pferde zu züchten: Maultiere für die Minen, aber auch Renn- und Reitpferde. In seinen Koppeln stehen die genügsamen und leistungsbereiten Trakehner sowie Hackneys und Shagya-Araber. Seine Koppel hat er in Kubub, ein paar Kilometer südöstlich der Eisenbahn-Tankstelle bei Garub.

Um den Diamantenschatz zu sichern, errichtet die deutsche Kolonialverwaltung große Sperrgebiete. Kein Unbefugter darf die Wüste betreten. In nur sieben Jahren werden Rohdiamanten mit einem Gesamtgewicht von einer Tonne gefunden. Dann ist die Ressource erschöpft, die Diamantensucher ziehen weiter in Richtung Süden. Nahe Lüderitz erinnert heute nur noch eine pittoresk versandende Geisterstadt an diese hitzige Episode.

Nur noch wenig erinnert an die Diamantenstadt.
Foto: Cyril Ruoso
Nur noch wenig erinnert an die einstige Diamantenstadt.

Wenig später kommen noch mehr Pferde ins Land: Im September 1914 erobern berittene britisch-südafrikanische Truppen große Teile der deutschen Kolonie. Nahe der Wasserstelle von Garub errichten sie Koppeln für ihre 6.000 Pferde. Die zahlenmäßig deutlich unterlegene deutsche Truppe hat ihr Lager nur 25 Kilometer weiter östlich, im Flecken „Aus“. Um ihren Rückzug zu decken, schicken sie am 27. März 1915 den Piloten Paul Fiedler los. Der steigt im Doppeldecker über das feindliche Lager, wirft ein paar Bomben aus seiner Kanzel – und dreht ab. Die Pferde der Südafrikaner stieben in Panik davon. Und die südafrikanischen Soldaten den Deutschen hinterher. Für die versprengten Pferde hat niemand Zeit.

Es muss irgendwo da draußen passiert sein ...

Kurz darauf übernehmen die Eroberer im Land die Macht, die Sperrgebiete, die Bahnlinie und den Brunnen in Garub. Der deutsche Pferdezüchter Emil Kreplin wird interniert, seine Koppel verkommt. Und dann muss es irgendwo da draußen passiert sein, an den Hängen der trockenen Hügel, in den unbeschatteten Ebenen dazwischen: Pferde der südafrikanischen Eroberer und Pferde aus Kreplins Koppel vereinigen sich zu einer neuen Herde. Sie meiden die Menschen, finden Futter und Wasser – und sorgen für Nachwuchs. Bis heute weisen Körperbau und die auffälligen Gesichtszeichnungen der Tiere auf ihre Vorfahren hin.

Die letzten Zeitzeugen einer vergangenen Zeit.
Foto: Cyril Ruoso
Die letzten Zeitzeugen einer vergangenen Ära.

Jan Coetzer, 71, wuchs auf einer Farm in der Nähe von Lüderitz auf. Heute hat er sich im Küstenstädtchen Swakopmund zur Ruhe gesetzt. Das gleißende Licht des namibischen Sommers fällt durch die seidenen Vorhänge, und er beginnt zu erzählen: Als Kind hat er oft Geschichten von Geisterpferden gehört, die durch die Wüste irren. Eines Tages, er war unterwegs mit seinem Vater, sah er sie selbst. „Wir konnten sie von der Straße aus beobachten“, erinnert sich Coetzer. Die Faszination der Tiere ließ ihn nicht mehr los. Er wuchs heran, fand Arbeit bei den Diamantenminen und patrouillierte durch die verbotenen Zonen.

Da entdeckte er die Pferde wieder und erkannte, dass sie regelmäßig zur einzigen Wasserquelle weit und breit kamen: zum alten Wasserloch von Garub. Bis in die Sechzigerjahre wurde hier Wasser für die Lokomotiven zutage gefördert, da blieb immer genug für die Pferde. Ab dann ersetzten Dieselloks die alten Dampfmaschinen. Doch hie und da ließ ein Bahnwärter das alte Becken volllaufen, den Pferden zuliebe. Und wenn dieser vergaß, kam Coetzer mit einem Tankwagen – und rettete die Pferde.

1977 brachte Coetzer die Minengesellschaft dazu, eine automatische Tränke zu installieren. So hatten die Pferde auch ohne Bahnwärter und ohne Coetzer jederzeit Wasser. Später rettete er den Tieren noch einmal das Überleben: Während der großen Dürre von 1992 organisierte er gemeinsam mit dem Reitclub Oranjemund eine Spendenaktion und kaufte vom Erlös Futter. Bis zum Einsetzen des Regens im März 1993 versorgten er und seine Helfer die Tiere. Immerhin 114 überlebten die Dürre.

Dieses Wasserloch sichert den Wildpferden ihr Überleben.
Foto: Cyril Ruoso
Dieses Wasserloch sichert den Wildpferden ihr Überleben.
Zu Streit kommt es, wenn sich zwei Hengste an der Tränke zu nahe kommen. Oder wenn eine rossige Stute in der Nähe ist.
Telané Greyling, südafrikanische Biologin

Es wird Mittag in der Ebene von Garub. Die Luft flimmert über dem Boden. Eine Windhose tanzt über die kargen Ebenen. In der Ferne zeichnet sich die Silhouette der alten Bahnstation ab. Fast 90 Pferde haben sich in den vergangenen Stunden hier versammelt. Die meisten haben der Sonne den Rücken zugekehrt. Nur zwei Hengste bewegen sich, sie gehen aufeinander zu. Unvermittelt stellt sich einer auf die Hinterläufe und tritt mit voller Wucht gegen den Gegner. Es folgen Bisse in den Hals, in die Weichteile, dann ein gequältes Wiehern – und der Verlierer jagt im Galopp davon.

Der Kampf wirkt angesichts der Hitze und der knappen Nahrung wie verrückter Übermut. Ist es aber nicht, sagt die südafrikanische Biologin Telané Greyling. „Zu Streit kommt es, wenn sich zwei Hengste an der Tränke zu nahe kommen. Oder wenn eine rossige Stute in der Nähe ist.“ Der Huftritt und die Bisse waren also kein Übermut. Es ging, wie immer in der Namib, ums Überleben des Stärkeren.

Bis sie der Durst zur Umkehr zwingt

Greyling hat die Pferde jahrelang begleitet, beobachtet, untersucht und ihre Doktorarbeit in Zoologie über sie geschrieben. Sie kennt die Gewohnheiten der Pferde genau. Nach einem Besuch am Wasserloch ziehen sie los, um Weideflächen zu finden. Bis zu 40 Kilometer weit entfernen sich die Pferde von der menschengemachten Oase, dann zwingt sie der Durst zur Umkehr.

Unentbehrlich dabei: Mineralien. Immer wieder sieht man Tiere, die sich gegenseitig den getrockneten Schweiß vom Fell lecken. Andere fressen den Dung ihrer Artgenossen. Der enthält mehr Eiweiß und auch deutlich mehr Fett als das dürre Gras. Ein Notverhalten wegen der anhaltenden Dürre? Nein, sagt Greyling, auch wohlgenährte Hauspferde würden dieses Verhalten zeigen. Die Namibs fressen in trockenen Jahren nicht mehr Dung als sonst.

Muskulös und drahtig ist der Körperbau der Namibs.
Foto: Cyril Ruoso
Muskulös und drahtig ist der Körperbau der Namibs.
Noch ist Inzucht kein Problem. Die Stuten suchen sich stets Hengste, mit denen sie nicht verwandt sind.
Telané Greyling, südafrikanische Biologin

Eine neue Rasse entsteht

Die eigentliche Sensation fanden Experten jedoch bei molekularbiologischen Untersuchungen. Üblicherweise kann man anhand solcher Tests schnell sagen, ob ein Pferd nun ein Trakehner ist oder ein Hackney. Doch bei den Pferden in der Namib, sagt Greyling, seien diese eindeutigen Merkmale nicht mehr nachweisbar. Dafür fanden die Experten neue Besonderheiten, die nur die Wüstenpferde aufweisen. Ihr Schluss: Die Namibs haben sich in all den Jahrzehnten zu einer eigenen, neuen Rasse entwickelt.

Seit der ersten offiziellen Zählung im Jahr 1985 schwankt die Zahl der Tiere stark. In guten Jahren versammeln sich am Wasserloch von Garub bis zu 280 Pferde, in schlechten weniger als 100. Seit 2012 herrscht wieder Dürre, der jährliche Niederschlag in Garub ist tief unter dem langjährigen Mittelwert: 2015 fielen gerade mal 15 Millimeter Regen, 2016 nur 10 Millimeter.

Derzeit leben noch rund 150 Pferde in der Namib. Und mit jedem verendeten Tier wird der Genpool kleiner. „Noch ist Inzucht kein Problem“, sagt Greyling. „Die Stuten suchen sich stets Hengste, mit denen sie nicht verwandt sind.“ Sinkt die Zahl der fortpflanzungsfähigen Stuten allerdings unter 50, ist die genetische Vielfalt – und damit der Fortbestand der Herde – in Gefahr.

Die Straße nach „Aus“.
Foto: Cyril Ruoso
Die Straße nach „Aus“.

Dazu kommt eine neue Bedrohung: Tüpfelhyänen. Bis in die Achtzigerjahre hielten Farmer den Bestand der Räuber niedrig, sie jagten sie, um ihre Schafe und Kühe zu schützen. Doch mit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1990 verankerte Namibia den Umweltschutz in seiner Verfassung. Damit ist auch die Jagd auf Hyänen verboten, seither vermehren sich die Raubtiere prächtig.

Die Folge des Tierschutzes: Seit vier Jahren ist kein einziges Namib-Fohlen groß geworden. In freundlichere Landstriche auswandern können die Pferde aber nicht. Im Süden versperrt der 160 Kilometer lange Fish River Canyon jeden Ausweg. Und im Osten verstellt ein Zaun den Fluchtweg. Er macht den Namib-Naukluft-Nationalpark wildsicher.

Selbst Tierschützer sind uneins. Sollen die Pferde hier leben oder nicht? Gegner meinen, die eingeschleppte Spezies würde das fragile Ökosystem belasten, einheimische Tiere verdrängen und empfindliche Gewächse ausrotten. Tatsächlich treffen in der Gegend um Aus vier verschiedene Arten von Wüstenvegetationen aufeinander, hier wachsen mehr als 500 Pflanzenarten, einige davon gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Und die sollen gefressen werden von den Nachfahren britischer und deutscher Schlachtrösser? Einige Mitarbeiter im namibischen Umweltschutzministerium nennen die Tiere geringschätzig „donkeys“, also „Esel“.

Das Foto in Piet Swiegers Händen zeigt deutsche Soldaten mit ihren Pferden – den Vorfahren der heutigen Wüstenpferde.
Foto: Cyril Ruoso
Das Foto in Piet Swiegers Händen zeigt deutsche Soldaten mit ihren Pferden – den Vorfahren der heutigen Wüstenpferde.
Die Tiere faszinieren uns, weil sie die Freiheit symbolisieren, die der Mensch längst verloren hat.
Piet Swiegers, Lodgebesitzer

Erst seit Greylings Untersuchungen ist das Image der Tiere etwas besser geworden. Die Wissenschafterin wies nach, dass sich der Lebensraum der Pferde auf weniger als ein Prozent der Fläche der Nationalparks erstreckt. Der Pflanzenwuchs sei stärker von Wassermangel geprägt als von den Pferden. Auch gibt es keine nennenswerte Futterkonkurrenz zwischen Pferden und Wild, da das Wild viel weiträumiger umherziehe als die Pferde.

Während sich Oryxantilopen mit ihrer Fähigkeit, tagelang ohne Flüssigkeit auszukommen, in Dürreperioden auf ausgedehnte Wanderungen innerhalb des Parks begeben können, müssen Pferde alle 30 Stunden zurück ans Wasser. Das ist der Unterschied zwischen tausenden und hundert Jahren Evolution.

Piet Swiegers sieht in den Pferden dagegen eine Chance. Er betreibt nahe Aus eine Lodge, und viele seiner Gäste kommen der Pferde wegen. „Die Tiere faszinieren uns, weil sie die Freiheit symbolisieren, die der Mensch längst verloren hat“, sagt der Lodgebesitzer. „Die Touristen sehen sie als Teil der Namib an.“

Deshalb ist er dafür, die Pferde zu retten. Gemeinsam mit anderen Pferdefreunden fordert er, das Ministerium sollte von den Besuchern der Namib Eintritt verlangen. Bei 50.000 Touristen im Jahr wäre das ein beträchtlicher Geldbetrag, für den Futter und Wasser für die Pferde herangeschafft werden könnte.

Die Tiere werden mit dem Notwendigsten versorgt, um überleben zu können.
Foto: Cyril Ruoso
Die Tiere werden mit dem Notwendigsten versorgt, um überleben zu können.

Doch die Regierung macht nicht mit. Deshalb hat Piet Swiegers gemeinsam mit Telané Greyling schon 2012 die „Namibia Wild Horses Foundation“ gegründet. Menschliche Eingriffe wollen sie selbst in Dürrejahren auf ein Minimum beschränken, darin sind sich die Initiatoren einig. Dennoch legen die Wissenschafterin und der Lodgebesitzer seit Oktober 2015 an verschiedenen Orten Heu, Mineralien-Lecken und Proteinpulver aus, um die Pferde mit dem zu versorgen, was sie vom kargen Gras nicht mehr bekommen. Umgerechnet 100.000 Euro an Spendengeldern konnte ihre Stiftung dafür einwerben.

Aber sind die Pferde angesichts solcher Eingriffe nicht bloß bessere Zootiere, an diesem Ort hoffnungslose Irrläufer der Evolution und zum Aussterben verdammt? „Ich will nicht sagen, dass die Tiere hierher gehören“, sagt Swiegers. „Objektiv gesehen tun sie das nicht. Sie sind kein Wild, und sie sind schon gar nicht endemisch. Aber wir sollten diese Pferde schützen, denn sie gehören zu unserer Geschichte.“

Es wird Abend in der Namib. Die Pferde machen sich jetzt auf in die Wüste. Ihre Silhouetten sind in Staub gehüllt. In langen Karawanen ziehen sie los, um noch ein paar Wurzeln und vielleicht etwas vertrocknetes Gras zu finden. Als die Sonne hinter dem Horizont versinkt, bellende Geckos die Nacht ankündigen, ist das Schicksal eines der letzten Fohlen besiegelt. Das Tier ist so mager und schwach, dass es sich selbst jetzt, als es kühl wird in der Wüste, nicht mehr vom Wasserloch fortbewegen kann. Was wird das Muttertier tun? Bleibt die Stute beim Fohlen und riskiert, selbst zu verhungern? Oder lässt sie ihr Junges zurück?

Eine Hyäne frisst den noch warmen Kadaver eines Fohlens.
Foto: Cyril Ruoso
Eine Hyäne frisst den noch warmen Kadaver eines Fohlens.

Noch staksen die Beine des Fohlens erschöpft durch den Sand, versuchen der Mutter zu folgen. Doch dann lässt die Kraft nach, das Tier bricht zusammen. Immer wieder stupst die Stute ihr Fohlen an, wartet. Noch einmal schnuppert sie am Jungtier, dann trottet sie davon. Im Wasser des Bohrlochs spiegeln sich die Sterne wie tausend Strasssteine. Im blassen Mondlicht schimmert das zuckende Fell, unter dem sich die Rippen abzeichnen. Für die Hyänen ist es ein leichtes Spiel. Im Schutz der Nacht verzehren sie den noch warmen Körper restlos. Am folgenden Morgen sind nur noch Knochen und Hufe übrig.

Wird es die Pferde in 50 oder 100 Jahren noch geben? Nicht einmal Telané Greyling weiß die Antwort. In guten Jahren bietet die Wüste genügend Platz und ausreichend Nahrung. In trockenen Jahren müssen die Tiere immer tiefer in die Namib ziehen, um noch etwas Essbares zu finden – und dürfen sich doch nicht zu weit von Garub und seiner Wasserstelle entfernen.

Trotz der genetischen Mutation, trotz der Anpassung ihres Verhaltens an die Wüste – in schlechten Jahren sind die Pferde auf das Wohlwollen des Menschen angewiesen.

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin, 2/2017.

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