Ein Wunder namens Braunkehl-Faultier

Braunkehl-Faultiere führen ein Leben in Zeitlupe, was sie für Fressfeinde interessant macht. Deshalb setzen sie auf eine interessante Tarnstrategie.
Text: Redaktion, Fotos: Harry Collings Getty Images/iStockphoto / 1 Min. Lesezeit
Terra Mater Wunder namens Braunkehl Faultier Foto: Harry Collins Getty Images/iStockphoto
Braunkehlen-Faultier: Ein Aussehen wie ein schlecht gepflegter Hirtenteppich. Doch ist das Tier gut beweglich: Dank dreier rippenloser Brustwirbel kann es den Hals im Bogen von 270 Grad drehen. So erreicht es mehr Blätter, ohne seine Gliedmaßen bewegen zu müssen.

Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet Faultiere erfüllen die Wunschvorstellung der meisten Arbeitgeber perfekt. Sie sind flexibel und effizient. Flexibel, was die Arbeitszeit betrifft – sie sind mal bei Tag, mal bei Nacht aktiv, ganz nach Belieben (allerdings nur für jeweils ein paar Stunden, die meiste Zeit hängen sie ja dösend herum). Und effizient sind die dämmerungs- und nachtaktiven Einzelgänger ebenfalls, weil sie mit einer kargen und einseitigen Blätterdiät auskommen. Dem Grünzeug entziehen sie alle verwertbaren Inhaltsstoffe.

Braunkehl-Faultiere haben ihren Kreislauf auf maximale Effizienz hin ausgerichtet: Im Schlaf senken sie ihre Körpertemperatur auf 24 Grad.

Das müssen Faultiere auch, denn in ihrer pflanzlichen Nahrung stecken kaum Nähstoffe

Viel davon brauchen sie ohnehin nicht; ihre Stoffwechselrate ist um 45 Prozent langsamer als bei Säugetieren vergleichbarer Größe. Fressen, sich paaren, gebären, sterben und mitunter auch noch verrotten – all das erledigen die Faultiere im Hängen. Umso erstaunlicher, dass sie sich zum Defäkieren vom Baum herunterbegeben.

Wahrscheinlich tun sie das, um den Motten, die in ihrem Fell leben, einen Gefallen zu tun. Die Insekten legen ihre Eier nämlich gerne in den frisch gesetzten Haufen. Bald darauf flattert die nächste Generation in die Wipfel, um es sich im Faultierfell bequem zu machen. Das freut das Faultier, denn die Motten im Pelz begünstigen das Wachstum von Algen, die auch für die tarnende Fellfarbe zuständig sind. Und von den Algen nascht das Faultier auch sehr gerne. Arbeitgeber wären entzückt: ein Teamplayer!

Braunkehl-Faultier (Bradypus variegatus)

Unterklasse Höhere Säugetiere (Eutheria), Überordnung Nebengelenkstiere (Xenarthra), Ordnung Zahnarme (Pilosa), Unterordnung Faultiere (Folivora), Familie Dreifinger-Faultiere (Bradypodidae), Art Braunkehl-Faultier

  • Vorkommen: tropische Regelwälder in Mittel- und Südamerika

  • Status nach IUCN (International Union for Conservation of Nature): nicht gefährdet.

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