Ein Wunder namens Apothekerskink

Der Aberglauben der Menschen hat der Echse ihren Namen gegeben, doch dem Apothekerskink ist das herzlich egal.
Text: Redaktion, Fotos: Sahara Nature/stock.adobe.com / 1 Min. Lesezeit
Wunder namens Apothekersink
Foto: Sahara Nature/stock.adobe.com
Augen zu und durch: Flutscht der Apothekerskink durch den Sand der heimatlichen Sahara, schließt er die Augen und klappt die Nasenlöcher zu. Dank seiner glatten Schuppen ist es fast ein Schwimmen und weniger ein Schlängeln.
Sie sind ein bedeutendes Aphrodisiakum, regen besonders die Geschlechtslust bei jungen Frauenzimmern an und werden daher von liederlichen Bauerknechten zuweilen auf den Apotheken […] gefordert, um sie heimlich anzuwenden.
Georg Friedrich Most: Enzyklopädie der gesamten Volksmedizin 1843

Das zumindest war der Stand des Wissens über den Apothekerskink Scinus scinus vor gut 160 Jahren, niedergeschrieben in der damals verlegten „Enzyklopädie der gesamten Volksmedizin“. Und weil die Apotheker der drängenden Nachfrage gerne nachgaben, importierten sie zermahlene Echsen gleich kübelweise aus Nordafrika.

Womit zunächst einmal geklärt wäre, wie das unscheinbare Tierchen zu seinem eigenwilligen Namen gekommen ist. Die Art überlebte die Nachstellungen und ist heute im feinen Wüstensand der Sahara, etwa von Tunesien, gut zu beobachten. Hier jagen die ungefähr 20 Zentimeter langen Tiere nach Käfern, Spinnen und Heuschrecken.

„Im Wüstensand“ ist übrigens wörtlich zu verstehen: Bei Hitze oder Bedrohung tauchen die Echsen nämlich kurzerhand im Sand unter. US-amerikanische Forscher haben sie mittels High-Speed-Röntgen verfolgt und festgestellt, dass die Echsen dort unten ihre Füße anlegen und sich in Wellenbewegungen vorwärtsschlängeln, sich also wie ein Fisch im Wasser fortbewegen. Womit geklärt wäre, wie der Apothekerskink zu seinem neuen Namen gekommen ist: Er wird heute auch „Sandfisch“ genannt.

Besondere Merkmale des Apothekerskinks

  • Die Echsen sind wechselwarm, das bedeutet, dass sie ihre Körpertemperatur kaum regulieren können. Vor allzu großer Hitze flüchten sie daher in den Sand.

  • Maul halten! Die Kinnlade endet nicht direkt an der Schnauze, sondern ist ein wenig nach hinten versetzt. Eine übliche Adaption von Wüstenbewohnern, so gelangt weniger Sand in den Mund.

  • Die Zehen sind mit borstigen Fransenschuppen überzogen, das hilft bei der Fortbewegung auf feinem, heißem Sand.

  • Die Schuppen sind sehr glatt und so dicht angeordnet, dass sich keine Sandkörner ablagern können. Beides hilft, den Reibungswiderstand zu verringern.

  • Augen zu und durch: Während sie durch den Sand flutscht, schließt die Echse die Augen. Die sind ansonsten durch Schuppen am Lid geschützt. Die Nasenlöcher lassen sich ebenfalls verschließen.

Übersicht Apothekerskink – Scincus scincus

Verbreitungsgebiet

Nordafrika, Saudi Arabien

IUCN-Status (International Union for Conservation of Nature)

nicht gefährdet

Ordnung: Schuppenkriechtiere

Squamata

Überfamilie: Skinkartige

Scinocoidea

Familie: Skinke

Scincidae

Gattung

Scincus

Art

Apothekerskink

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