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Ägypten: Das vergessene Reich der schwarzen Pharaonen

In einer kurzen Zeitspanne von 90 Jahren herrschten Könige aus dem schwarzen Afrika über das antike Ägypten. Die Pharaonen aus Nubien schufen eine hoch entwickelte Zivilisation und bauten doppelt so viele Pyramiden wie die Ägypter. Eine Spurensuche.
Text: Fabian von Poser, Fotos: Robbie Shone / 18 Min. Lesezeit
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Vielleicht war es ein sorgfältig überlegter Schachzug eines Meisterstrategen. Oder es war heißblütiger, religiöser Furor – wir werden nie erfahren, was König Piye dazu brachte, ein neues Kapitel der Weltgeschichte aufzuschlagen. Überliefert ist nur, was er tat: Im Jahr 730 vor Christus ließ er seine Soldaten zusammenrufen, gefürchtete Kämpfer allesamt und ausgerüstet mit den besten Waffen ihrer Zeit. Und dann zogen sie los: Barken trugen den Herrscher, seine Kämpfer und die Pferde auf dem Nil flussabwärts. Aus dem Königreich Kusch, im heutigen Sudan gelegen, nach Norden, in die Heimat der schillerndsten Zivilisation dieser Epoche: Ägypten.

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Schrein des Taharqa: Der mächtigste der Schwarzen Pharaonen ließ zu Ehren des Gottes Amun-Re einen Tempel renovieren – und mit Darstellungen seiner selbst schmücken. Foto: Robbie Shone
Schrein des Taharqa: Der mächtigste der Schwarzen Pharaonen ließ zu Ehren des Gottes Amun-Re einen Tempel renovieren – und mit Darstellungen seiner selbst schmücken.

In Theben, dem politischen und religiösen Zentrum Oberägyptens, gingen die Männer an Land, brachten ihrem Gott Amun Opfer dar, reinigten sich rituell im Nil – und zogen weiter. Ein Regionalfürst nach dem anderen musste vor den Kriegern aus Kusch kapitulieren. Nach einem Jahr hatten die Eroberer das Nildelta erreicht und Ägypten unterworfen. Piye war nun Herrscher über Nubien und Ägypten – plötzlich Pharao.

Für Ägypten war dies der Beginn eines erstaunlichen Intermezzos: Zum ersten Mal in seiner stolzen Geschichte wurde das Land von Eroberern regiert – ausgerechnet von Kuschiten, dunkelhäutigen Afrikanern, die bis zu diesem Zeitpunkt bestenfalls als Söldner, Diener oder Tagelöhner in Ägypten geduldet worden waren und deren Land als Hinterhof des Reiches galt – genutzt als Exerzierplatz für Expansionsgelüste und Quelle unermesslicher Goldschätze.

Tief im Wüstenboden des Sudan verborgen, erzählen 2.700 Jahre alte Fresken von einer versunkenen Kultur. Nur wenige Menschen haben diese Grabkammer gesehen. Foto: Robbie Shone
Tief im Wüstenboden des Sudan verborgen, erzählen 2.700 Jahre alte Fresken von einer versunkenen Kultur. Nur wenige Menschen haben diese Grabkammer gesehen.

Für die Kuschiten war die Herrschaft über Ägypten nur eine kurze Episode in ihrer Geschichte, die lange vor jener der Nachbarn im Norden begonnen hatte – und über die doch bis heute weniger bekannt ist als über Ramses, Tutanchamun, Kleopatra und Co.

Auf welcher Grundlage gelang den Menschen aus Kusch der Aufstieg zur größten Macht am Nil? Wie konnten sie ein Reich beherrschen, das zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung von der Region des heutigen Khartoum im Sudan bis ins mehr als 2.500 Kilometer entfernte Israel reichte? Wie bauten sie ihre charakteristischen Pyramiden? Und wohin verschwanden sie nach wenigen Jahrzehnten wieder? Lange Zeit konnte niemand diese Fragen beantworten.

Als die Herrschaft der Schwarzen zu Ende ging, bemühten sich die Ägypter, ihre Spuren möglichst gründlich zu beseitigen. Nichts sollte die Nachwelt an die Schwarzen Pharaonen erinnern. Die Rechnung ging auf.

Wer immer sich in den folgenden Jahrtausenden mit der Region am Nil befasste, war fasziniert von den Gräbern, Mumien und Schriften entlang des Unterlaufs des Nil, von Ägypten. Kusch? Uninteressant!

„Als ich vor 50 Jahren hier ankam, wurde ich gefragt, was ich denn hier suchen würde“, erzählt der Schweizer Archäologe Charles Bonnet. „Man sagte mir: ‚Die wahre Geschichte findet doch in Ägypten statt!‘“ Doch er ließ sich nicht beirren. Heute gilt der mittlerweile 82-Jährige als Doyen einer verhältnismäßig kleinen Gemeinschaft von Archäologen, die sich auf die Spuren der Schwarzen Pharaonen geheftet haben. Die Hartnäckigkeit wurde belohnt: In den vergangenen Jahren gelangen Charles Bonnet und seinen Kollegen wesentliche Erkenntnisse über die rätselhafte Zivilisation im Norden des Sudan. Sie fanden die Spuren einer verdrängten reichen Hochkultur, die sich nicht nur aufs Kriegführen verstand, sondern auch spektakuläre Bauwerke zuwege brachte und – laut jüngeren Theorien – über detaillierte astronomische Kenntnisse verfügte.

Die Pyramiden der Nubier waren niedriger und spitzer als jene der Ägypter. Das lag daran, dass sie mit Kränen aus Zedernholz arbeiteten. Foto: Robbie Shone
Die Pyramiden der Nubier waren niedriger und spitzer als jene der Ägypter. Das lag daran, dass sie mit Kränen aus Zedernholz arbeiteten.

Lokalaugenschein im heutigen Sudan. Die Expedition beginnt in der Hauptstadt Khartoum, von hier aus geht es Richtung Norden. Selbst im Dezember ist es extrem heiß, die Luft flirrt über der weitläufigen Sandlandschaft. Den einzigen Schatten weit und breit spenden ein paar dornige Akazien. Nach 590 Kilometern auf staubiger Piste und einer Überquerung des Nil erreichen wir die Region um die historische Stadt Kerma. Vor rund 10.000 Jahren hatten sich Menschen aus dem zunehmend vertrocknenden Umland hierher ans Ufer des Nil geflüchtet. Im Laufe der Zeit entdeckten sie Landwirtschaft und Viehzucht für sich. Es war ein günstiger Ort, um eine Zivilisation zu begründen: Hier kreuzten sich die Handelswege von Zentralafrika zum Roten Meer und von Nord nach Süd, der Handel mit Tierhäuten, Tropenhölzern, Elfenbein und Gold schuf Wohlstand. Archäologen finden hier Scherben von mit Ritzdekoren verzierten Tongefäßen – aus einer Zeit, in der das Töpfern in Ägypten noch völlig unbekannt war.

Selbst im Dezember ist es extrem heiß, die Luft flirrt über der weitläufigen Sandlandschaft.

Die Kunde von dem reichen Land erreichte auch den Norden, wo vor 5.000 Jahren das ägyptische Reich entstand. Truppen der aufstrebenden Großmacht starteten regelmäßig Raubzüge in die schwarzen Fürstentümer. Vor 4.200 Jahren erlebte Ägypten wegen innerer Streitigkeiten das Ende seiner ersten Blütezeit, das Alte Reich zerfiel und zog sich nach Norden zurück. So konnte die Region um Kerma erstmals richtig aufblühen, die Hochkultur der Kuschiten entstand.

Stolze Herrscher, ganz in Schwarz: Bis zu ihrer Machtübernahme waren Nubier in Ägypten bestenfalls als Söldner, Diener oder Tagelöhner geduldet worden Foto: Robbie Shone
Stolze Herrscher, ganz in Schwarz: Bis zu ihrer Machtübernahme waren Nubier in Ägypten bestenfalls als Söldner, Diener oder Tagelöhner geduldet worden

Im Umkreis der Stadt stießen Archäologen auf mehr als 130 archäologische Fundstellen aus dieser Zeit. Die eindrucksvollste von ihnen ist die sogenannte Deffufa, ein massiver Lehmziegelbau von 19 Metern Höhe, der sich eindrucksvoll über das Niltal erhebt. Seine Funktion ist umstritten. Möglicherweise handelt es sich um den kolossalen Unterbau für einen Tempel oder einen Palast. Freigelegt hat die Deffufa Archäologe Charles Bonnet. Wir sitzen in dem Haus, das ihm die sudanesische Regierung zur Verfügung gestellt hat. Kisten voller archäologischer Fundstücke füllen den Raum, an der Wand hängen die Grundrisse verschiedener Tempel. Vom Nil her weht eine frische Brise durch die offenen Fenster. Kaum jemand kennt die Geschichte Nubiens so gut wie Bonnet. Seine wichtigste Grabungsstätte derzeit liegt zwei Kilometer von Kerma entfernt, nahe der Ortschaft Doukki Gel. Hier gräbt der Archäologe eine mehr als 4.000 Jahre alte Zeremonienstadt aus. „In dieser Region existierte eine Zivilisation, die stark genug war, um Ägypten Angst zu machen“, sagt der Archäologe.

Angst? Tatsächlich muss die Beziehung zwischen Kusch und Ägypten kompliziert gewesen sein, und das über rund drei Jahrtausende: Einerseits gab es regen Waren- und Kulturaustausch zwischen Nord und Süd. So nutzten die Menschen in Kusch die ägyptische Schrift. Der ägyptische Amun-Kult wiederum hat seine Wurzeln in Kerma. Die Verehrung der widderköpfigen Gottheit war in Kusch tief verwurzelt, seine wichtigsten Tempel wurden hier errichtet. Andererseits zogen ägyptische Herrscher wiederholt in den Süden, um hier Menschen, Vieh und Schätze zu rauben – das Wort „Nub“, Kern des Namens „Nubien“, ist die Hieroglyphe für „Gold“.

Dazu kamen auf Seiten der Ägypter auch Ressentiments gegenüber den Nachbarn im Süden: Ägyptische Darstellungen der Nubier zeigen Menschen mit karikaturhaft dicken Lippen und flacher Stirn. Im Grab des Pharaos Tutanchamun fanden Archäologen Sandalen mit Bildern von Nubiern auf den Sohlen – so konnte der xenophobe Ägypter bequem auf ihnen herumtrampeln.

Die Nubier ihrerseits nutzten Phasen des politischen Chaos im Norden, um ihr Herrschaftsgebiet auszudehnen. Mitte des achten Jahrhunderts vor Christus war es so weit: Die Herrscherhäuser Ober- und Unterägyptens waren zerstritten. Und als die Oberägypter ihre südlichen Nachbarn um Unterstützung baten, starteten die Nubier ihren ersten große Feldzug in den Norden. König Kaschta drang dabei bis in die Gegend des heutigen Assuan vor.

Ausgrabung nahe Kerma: „Hier existierte eine Zivilisation, die stark genug war, um Ägypten Angst zu machen“, sagt Archäologe Bonnet. Foto: Robbie Shone
Ausgrabung nahe Kerma: „Hier existierte eine Zivilisation, die stark genug war, um Ägypten Angst zu machen“, sagt Archäologe Bonnet.

Dabei war es nicht nur Machtgier, die die Kuschiten nach Ägypten trieb. Es ging auch um den Amun-Kult. Verstört mussten sie zusehen, wie sich die Menschen in Ägypten vom gemeinsam verehrten Gott Amun abwandten. Der Kult, den die Nubier so erfolgreich nach Ägypten exportiert hatten, drohte in Vergessenheit zu geraten. Höchste Zeit für einen heiligen Krieg. Kaschtas Sohn Piye übernahm diese Aufgabe und beherrschte nach seinem legendären Eroberungsfeldzug fast ganz Ägypten. Als er acht Jahre später starb, errichteten ihm seine Gefolgsleute eine Pyramide – es war dies der erste derartige Neubau am Nil seit 500 Jahren – und bestatteten den einbalsamierten Leichnam nebst ein paar Lieblingspferden unter dem Monument, in einer über 19 Treppen erreichbaren Grabkammer.

Bald darauf übernahm Piyes Sohn Taharqa die Macht. 26 Jahre lang (nach anderen Quellen 31) hielt er das Reich zusammen. Er hatte auch Glück: Im sechsten Jahr seiner Regentschaft sorgten ungewöhnlich starke Regenfälle und eine seit Jahrhunderten nicht erreichte Nilschwemme für besonders ergiebige Ernten. Den folgenden Wirtschaftsboom nutzte der Pharao: Er ließ bestehende Tempel restaurieren und neue errichten. Besonders beeindruckend sind die Erweiterungen am Tempel von Karnak in der Gegend des heutigen Luxor sowie der Ausbau des Amun-Tempels in Napata in Nubien.

Doch längst nicht alles war eitel Wonne und Wohlstand. Taharqas Herrschaft war überschattet vom ständigen Kampf gegen die Assyrer, die vom Nordosten nach Ägypten drängten. Der Pharao hielt entschlossen dagegen. Auf einer seiner Strafexpeditionen verfolgte er die Angreifer bis in die Gegend des heutigen Jerusalem – vermutlich ist er jener Pharao, von dem im Alten Testament, im zweiten Buch der Könige, die Rede ist. Demnach hat er mit seinem Gegenangriff auf die Assyrer auch gleich die im heutigen Israel belagerten Hebräer gerettet.

Die Pyramiden bei Meroë markieren den Ort der letzten Hochblüte des Königreiches Foto: Robbie Shone
Die Pyramiden bei Meroë markieren den Ort der letzten Hochblüte des Königreiches

Richtig wohl fühlte sich der mächtige Krieger aber nur zu Hause in Napata. Die Stadt lag weiter stromaufwärts als Kerma, also weiter weg von aufmüpfigen Ägyptern und feindseligen Assyrern. Und sie hatte noch einen einzigartigen Vorteil: Sie lag im Schatten des mächtigen Berges Gebel Barkal.

Wie ein hingeworfener Brocken ragt der mächtige Felsen aus der ringsum flachen Wüstenlandschaft. In ihm verschmelzen die religiösen Wurzeln Ägyptens und Nubiens. Dort, wo die Nubier bereits seit Jahrhunderten den Amun-Kult pflegten, ließ der ägyptische Pharao Thutmosis III. im 15. Jahrhundert vor Christus den ersten Tempel errichten. In der markanten, 74 Meter hohen Felsnadel an der Südflanke des Berges sahen die Zeitgenossen eine aufgerichtete Kobra, das Totemtier der Pharaonen.

Im Morgengrauen steigen wir von der Nordseite her auf den Gebel Barkal. Noch weht aus der Wüste ein kühler Wind. Wer zu spät aufsteht, kann die Kletterpartie gleich vergessen – schon am Vormittag ist die Hitze zu groß, um an einen Aufstieg auch nur zu denken. Vom flachen Plateau des 104 Meter hohen Berges öffnet sich ein atemberaubender Blick in die Unermesslichkeit der nubischen Wüste. Smaragdfarben mäandert der Nil durch den Sand, an seinen Ufern grüne Felder und Palmenhaine. Am Fuß des Berges sind alte Mauern und Säulen zu erkennen: Es sind Überreste des Amun-Tempels, des einst bedeutendsten Heiligtums von Nubien. Nur zu gut kann man sich von hier oben vorstellen, wie Priester in feierlichen Prozessionen durch die Allee aus Widderstatuen zogen, um ihrem Gott zu huldigen.

Unverarbeitetes Gold: Mit einfachen Metallsuchgeräten finden Bauern bis heute Gold im Sand. Das Edelmetall weckte schon in der Antike Begehrlichkeiten der Nachbarländer Foto: Robbie Shone
Unverarbeitetes Gold: Mit einfachen Metallsuchgeräten finden Bauern bis heute Gold im Sand. Das Edelmetall weckte schon in der Antike Begehrlichkeiten der Nachbarländer

Und Taharqa selbst? Seine Grabkammer liegt unter der größten je im Sudan gebauten Pyramide, sie war 63 Meter hoch.

In diese ihm wohlvertraute Welt flüchtete sich Taharqa, als er 664 vor Christus in blutigen Schlachten den Kampf gegen die Assyrer und damit auch Ägypten verloren hatte. Hierher zog er sich zurück, in sicherem Abstand vor dem Feind aus dem Norden, geborgen im Schatten des heiligen Gebel Barkal, in tröstlicher Nähe zu den Gräbern seiner Ahnen. Die sind heute noch zu bestaunen – in el-Kurru, zehn Kilometer südwestlich des Berges. Generationen nubischer Könige sind hier bestattet, darunter auch Kaschta, der Begründer der Dynastie der Schwarzen Pharaonen.

Und Taharqa selbst? Ausgerechnet er, der mächtigste der Schwarzen Pharaonen, wählte das 20 Kilometer flussaufwärts gelegene Nuri als letzte Ruhestätte. Seine Grabkammer liegt unter der größten je im Sudan gebauten Pyramide, sie war 63 Meter hoch. Lange wussten die Archäologen nicht, warum Taharqa seine Grabstätte an einem so entlegenen Ort errichten ließ. Timothy Kendall, Archäologe von der Harvard-Universität bei Boston, ist nach jahrelanger Forschung überzeugt, dass der Pharao seine Wahl offenbar nach astronomischen Erwägungen getroffen hatte. Die Felsnadel des Gebel Barkal hatte dabei die Funktion des Zeigers einer Sonnenuhr – diese Anordnung sollte dem Pharao die alljährliche Wiedergeburt garantieren. Taharqas Nachfolger Tanwetamani blieb König von Kusch. Die Zeit der Schwarzen Pharaonen war endgültig vorbei.

Viel mehr ist über Tanwetamani eigentlich nicht zu berichten, wäre da nicht seine Grabkammer. Vor uns geht Ali Awad Alkream Mohammed, im Ort bekannt als „Onkel Ali“, über die Nekropole bei el-Kurru. Und dann steigt er in den Untergrund, öffnet ein Gittertor, steigt tiefer. Die Luft ist feucht, es riecht nach Erde, es wird dunkel. 33 Stufen später sind wir acht Meter unter der Erde und stehen in einer rechteckigen Zelle. Mit seiner Lampe leuchtet Onkel Ali an die Wände. Im Scheinwerferkegel kommen fast 2.700 Jahre alte Fresken zum Vorschein, in Rot, Gelb, Grün und Blau. Sie zeigen König Tanwetamani auf dem Sterbebett. Die Göttin Isis blickt auf den Toten herab. Im Dämmerlicht der Lampen erkennen wir die fein gezeichneten Hieroglyphen und die Insignien des Herrschers.

Nördlich von Kerma: eine Statue von Taharqa im Staub der Hauptstraße. Foto: Robbie Shone
Nördlich von Kerma: eine Statue von Taharqa im Staub der Hauptstraße.

Seit die Antikenbehörde des Sudan Onkel Ali im Jahr 1966 den Schlüssel zur Grabkammer anvertraute, ist er der Einzige, der Zutritt zum Königsgrab hat. „Das hier“, sagt Ali und schwenkt die Lampe, „ist die wichtigste Szene.“ Das Licht fällt auf ein Bild von König Tanwetamani. Neben ihm sitzt der Ba-Vogel, hinter ihm steht Maat, die Göttin der Gerechtigkeit. Auf der Waage in der Mitte der Darstellung liegen das Herz des Tanwetamani in einer Waagschale und eine Feder in der anderen. Das Herz ist leichter als die Feder. „Ein gutes Zeichen für das Leben nach dem Tod“, sagt der Hüter des Grabes.

Nach seiner Niederlage gegen die Assyrer zog sich Pharao Taharqa nach Nubien zurück - in den Schatten des heiligen Berges Gebel Barkal, wo seit Jahrhunderten kuschitische Könige bestattet worden waren.

Im Diesseits mühten sich Tanwetamanis Nachfolger, Ägypten erneut zu erobern – doch sie scheiterten. Die einzige Folge ihrer Feldzüge war der wohl erste Präventivkrieg der Menschheitsgeschichte. Um den Kuschiten ein für alle Mal ihre Ambitionen auszutreiben, führte im Jahr 591 vor Christus der ägyptische Pharao Psammetich II. eine Kampftruppe nach Süden. Die Männer erreichten Doukki Gel – und sie waren gründlich bei ihrer Mission, die Nubier zu demoralisieren. Auf die Spuren ihres Wütens stieß erst fast 2.600 Jahre später der Archäologe Charles Bonnet mit seinem Team von der Universität Genf. Am 11. Jänner 2003 legte er in einem kuschitischen Tempel Dukki Gel eine drei Meter tiefe Grube frei. Zunächst fanden sie einen massiven Granitbrocken mit einer Inschrift. Die konnten die Forscher sofort identifizieren: Da stand der Name des Taharqa!

Nach und nach gruben die Archäologen weiter, der Rumpf einer Statue kam zum Vorschein. Später fanden sie Arm, Faust und den Kopf des Herrschers. Zusammengesetzt misst die Plastik 2,70 Meter. Das Gesicht zeigt entschlossene Züge, der Körper ist von kräftiger, schwarzafrikanischer Statur. Es zeigte sich, dass die Schöpfer dieses Denkmals die hellen Adern im dunklen Stein mit Farbe übertüncht hatten, damit die Pharaonen wirklich makellos schwarz erschienen.

Nach und nach fanden die Archäologen in der Grube insgesamt 52 Fragmente von sieben schwarzen Statuen. Sie waren von Psammetichs Männern zerschlagen und verscharrt worden. Doch auch dieser Schlag konnte die Kultur von Kusch nicht auslöschen. Die Nubier zogen sich noch tiefer in den Süden zurück, wo sie 300 vor Christus ihre dritte Hauptstadt gründeten: Meroë. Ohne ständigen Zoff mit den Ägyptern konnten sie hier, am Ufer des Nil zwischen dem fünften und sechsten Katarakt, einige der eindrucksvollsten Zeugnisse der nubischen Hochkultur schaffen.

pyramiden nubier Foto: Robbie Shone
Die spitzen Pyramiden der Nubier.

Als wir die Pyramiden von Meroë kurz nach Sonnenaufgang besuchen, liegen sie beinahe so anmutig da wie 1822, als die Franzosen Louis Maurice Adolphe Linant de Bellefonds und Frédéric Cailliaud sie entdeckten. Feuerrot beleuchtet die Sonne ihre Spitzen. Ganz Meroë scheint zu dieser Tageszeit in Flammen zu stehen. Wie zu groß geratene Zuckerhüte liegen die über 2.000 Jahre alten Grabtürme im wogenden Dünenmeer. Das gewaltige Pyramidenfeld ist eines der größten der Erde. Rund 120 Spitzbauten zählt die Nekropole von Meroë, insgesamt 220 sollen es im Sudan sein – doppelt so viele wie in ganz Ägypten.

Immer wieder fragten sich Wissenschafter, warum die Nubier zwar die Bestattungskultur der Ägypter kopierten, ihre Pyramiden aber deutlich kleiner bauten – in Meroë etwa erreichen sie nur Höhen bis zu 30 Meter. Zum Vergleich: Die Cheops-Pyramide in Gizeh war 147 Meter hoch. Auch die Neigungswinkel waren mit 65 bis 70 Grad deutlich steiler als die ihrer ägyptischen Pendants mit etwa 50 Grad. Der deutsche Archäologe Friedrich Hinkel, der viele der Pyramiden in Meroë restaurierte, fand heraus, dass es an der Bautechnik lag. Während die Ägypter die tonnenschweren Steine mittels Rampen auf die Pyramiden schafften, arbeiteten die Nubier mit Kränen aus libanesischen Zedern. Da die Länge der Stämme begrenzt war, konnten auch die Pyramiden nicht endlos in den Himmel wachsen.

Ab dem dritten Jahrhundert vor Christus kontrollierte Meroë die Verkehrswege entlang des Nil. Die Nubier trieben Handel mit dem mittlerweile griechisch-römischen Ägypten und den Staaten am Mittelmeer. Meroë wurde zum Zentrum für Metallarbeiten, Keramik und Glasmacherei. Im ersten vorchristlichen Jahrhundert erlebten Meroë und die nahegelegenen Städte Musawwarat es-Sufra und Naga ihre Hochblüte. Großartige Tempel zeugen noch heute vom einstigen Reichtum.

Heiliger Berg mit Zinken. Der Berg Gebel Barkal war nach Vorstellung von Nubiern und Ägyptern der Hort des Staatsgottes Amun Foto: Robbie Shone
Heiliger Berg mit Zinken. Der Berg Gebel Barkal war nach Vorstellung von Nubiern und Ägyptern der Hort des Staatsgottes Amun

Reisenden aus Schwarzafrika muss die Skyline von Naga wie eine Fata Morgana vorgekommen sein. „Wer an dieser Stelle von Süden in das Königreich gelangte, sollte sofort sehen, welch reiches Land er betritt“, sagt die deutsche Archäologin Karla Kroeper, als wir mit ihr durch die Ausgrabungen spazieren. Gemeinsam mit Dietrich Wildung – langjähriger Leiter des Ägyptischen Museums in Berlin und eine der herausragenden Persönlichkeiten der Sudan-Archäologie – gräbt sie seit fast 40 Jahren im Land. Mit einem Team des Berliner Museums haben die beiden die beeindruckendsten Relikte der nubischen Kultur im Wüstensand entdeckt: den Amun-Tempel, flankiert von zwölf kolossalen Widderstatuen, einen dem meroitischen Gott Apedemak geweihten Löwentempel und den Hathor-Tempel.

Für die Archäologen bietet das Erbe von Kusch noch Arbeit für Jahrzehnte. Derzeit graben Kroeper und ihre Kollegen – seit 2013 unter der Regie des Ägyptischen Museums München – am „Tempel 120“: Entdeckt hat sie ihn vor einigen Jahren beim Spazierengehen.

Noch lange träumten die meroitischen Herrscher davon, Ägypten zurückzugewinnen. Doch zu einer Vereinigung kam es nie mehr. Der Niedergang des Römischen Reichs ab dem dritten Jahrhundert nach Christus hatte einen Dominoeffekt bis Nubien: Die Waren fanden keine Abnehmer mehr. Gleichzeitig entstanden neue Handelsrouten von Zentralafrika ans Rote Meer, die vom christlichen Königreich von Aksum im heutigen Äthiopien kontrolliert wurden. Als der aksumitische König Ezana um 350 nach Christus Meroë zerstörte, waren die Tage der nubischen Herrscher gezählt. Die Stadt wurde umgehend verlassen. In Meroë ging die große Kultur Nubiens Mitte des vierten Jahrhunderts genauso lautlos unter, wie sie fast 3.000 Jahre zuvor entstanden war.

Sudanesische Helfer nahe Kerma. Hier gibt es noch Arbeit für Jahrzehnte Foto: Robbie Shone
Sudanesische Helfer nahe Kerma. Hier gibt es noch Arbeit für Jahrzehnte

Die Wiederauferstehungs-Maschine

Wie Pharao Taharqa den Standort für seine Pyramide wählte 

Seit der US-amerikanische Archäologe George A. Reisner 1917 das Grab des nubischen Pharao Taharqa (ca. 690–664 v. Chr) in Nuri freilegte, stellten sich Wissenschafter die Frage, warum der größte aller Schwarzen Pharaonen seine Pyramide an einem so abgelegenen Ort errichten ließ – mehr als 26 Kilometer vom Friedhof in el-Kurru entfernt, auf dem die übrigen Mitglieder der Herrscherfamilie begraben liegen. Wollte Taharqa Abstand wahren, weil es Streit gegeben hatte? Oder war sein Grab nach Nuri verlegt worden, weil ihm die Herrschaft über Ägypten entglitten war?

Der US-amerikanische Archäologe Timothy Kendall vertritt die These, dass Taharqa seine letzte Ruhestätte nach kultischen Erwägungen erwählte: Von el-Kurru aus konnte man den heiligen Berg Gebel Barkal nicht sehen. Von Nuri aus aber schon. Das war deshalb von Bedeutung, weil die Nubier glaubten, der Berg samt seiner markanten Felsnadel sei der Geburts- und Wohnort ihres Staatsgottes Amun.

Um einen Zusammenhang zwischen Fels und Pyramide zu belegen, bestieg Kendall 1987 mit dem befreundeten Kletterer Paul Duval die 74 Meter hohe Felsnadel – ein Wagnis, das seit der Zeit der Pharaonen offenbar niemand mehr unternommen hatte. Dabei entdeckte der Wissenschafter, dass der Pharao direkt unterhalb der Spitze eine Inschrift mit seinem Namen und eine heute fast völlig verwitterte Statue von sich selbst hatte anbringen lassen. Doch was hatten Inschrift und Statue mit der Errichtung der Pyramide in Nuri zu tun? Kendall glaubt, dass das mit den wichtigsten Terminen im Kalender der Nil-Anrainer zusammenhängt: Das neue Jahr beginnt nach der Überlieferung an jenem Tag, an dem der Wasserstand des Nil zu steigen beginnt. Denn dieses Ereignis kündigt das jährlich wiederkehrende Hochwasser an, das für Fruchtbarkeit auf den Äckern am Ufer sorgt. Deshalb galt dieser Tag in der Mythologie auch als Geburtstag des Osiris, Gott der Unterwelt und der Wiedergeburt. Jener Tag, an dem der Pegel wieder zu fallen begann, galt als der Todestag des Gottes. Und: Wie jeder König verschmolz Taharqa in seinem Tod mit dem Gott.

So weit die Überlieferung.

Entscheidend für Kendalls Theorie sind zwei Daten: In Taharqas Todesjahr 664 vor Christus fiel der Neujahrstag (nach moderner Zeitrechnung) auf den 31. Juli. Osiris’ Tod fiel auf den 16. November. Und nun fand der Wissenschafter Erstaunliches heraus: Am Morgen des 31. Juli geht die Sonne – vom Gebel Barkal aus betrachtet – direkt hinter Taharqas Pyramide auf. Und am 16. November geht sie – von Taharqas Pyramide aus gesehen – direkt hinter der Felsnadel des Gebel Barkal unter. Vom Berg wiederum kann man an diesem Tag beobachten, wie der Schatten der Felsnadel kurz vor Sonnenuntergang in die Mitte der Pyramide in zehn Kilometer Entfernung zeigt. „Der Sonnenaufgang hinter der Pyramide sollte sicherstellen, dass der mit dem Gott Osiris vereinigte Herrscher jedes Jahr aufs Neue wiederauferstehen würde“, sagt Kendall. Und am 16. November wird Taharqa durch den immer länger werdenden Schatten gleichsam zu seinem Grabe getragen. „Taharqas Pyramide war also wie eine Wiederauferstehungsmaschine“, so der Wissenschafter, „eine Sonnenuhr mit fast zehn Kilometer Durchmesser.“

Bisher ist keine vergleichbare Anordnung im Niltal bekannt. Für Taharqas Nachfahren war Nuri aber offenbar ebenfalls ein guter Platz für ihre letzte Ruhestätte. 54 der folgenden Königinnen und 19 Könige ließen sich über die Jahrhunderte hier bestatten – aus welchem Grund auch immer.

Wie Nubier und Ägypter um die Macht am Nil kämpften

Zwei Völker entwickeln sich nebeneinander, miteinander und gegeneinander. Sie pflegen kulturellen Austausch, führen aber auch heftige Kriege.

Religion und Regierung vor 2.000 Jahren: Ägyptische Götter (li.) treffen Nubiens König. Foto: Robbie Shone
Religion und Regierung vor 2.000 Jahren: Ägyptische Götter (li.) treffen Nubiens König.

Ägypten

4.000–3.000 v. Chr.: Prädynastische Zeit.

Die Naqada-Kultur kennt Ackerbau, Bewässerungskanäle, Viehwirtschaft mit domestizierten Rindern, Schweinen und Ziegen. Mehrere Königreiche ringen um die Vorherrschaft. Beginnender Handel am Nil bis ins Delta.

ca. 3.000–2.700 v. Chr.: Frühdynastische Zeit

1. und 2. Dynastie. Das erste Reich entsteht, es erstreckt sich vom Nildelta bis rund 850 Kilometer in Richtung Süden (wo heute Assuan liegt). Insgesamt acht Pharaonen, rege Handelsbeziehungen mit Nubien.

ca. 2.700–2.216 v. Chr.: Das Alte Reich

3. bis 6. Dynastie. Das Goldene Zeitalter Ägyptens: Eine perfektionierte Verwaltung bringt Stabilität und Wohlstand. Die Pyramiden von Gizeh entstehen. Vermutlich führt anhaltende Trockenheit zum Niedergang.

2.216–ca. 2.050 v. Chr.: Die Erste Zwischenzeit

7. bis 11. Dynastie. In schneller Abfolge wechseln Könige einander ab, keiner kann dauerhaft oder gar über den Nord- und dem Südteil des Landes herrschen. Erst Mentuhotep II. gelingt eine Einigung. Er drängt die Nubier bis zur heutigen Landesgrenze zwischen dem Sudan und Ägypten zurück.

ca. 2.050–1.781 v. Chr.: Das Mittlere Reich

11. und 12. Dynastie. Die Pharaonen führen Feldzüge bis Palästina und laut einzelnen Überlieferungen weiter nach Asien durch. Besser gesichert sind Expeditionen in den Süden. Raumgewinne in Nubien werden mit Festungen manifestiert.

1.648–1.550 v. Chr.: Die Zweite Zwischenzeit

13. bis 17. Dynastie. Die Zentralmacht zerfällt, nur wenige Herrscher hinterlassen Spuren. Zeitweise wird Ägypten von Kanaanäern aus dem Gebiet des heutigen Israel regiert, die sich im östlichen Nildelta niederlassen. Pferd sowie Streitwagen mit Speichenrädern verbreiten sich von Ägyptens Norden bis Nubien.

ca. 1.550–1.071 v. Chr.: Das Neue Reich

18. bis 20. Dynastie. Expansion Ägyptens: Eroberung Nubiens; rege Bautätigkeit im Tal der Könige. Ramses III. gilt als letzter großer Pharao. Danach folgen Bürgerkriege und Priester, die sich als Herrscher sehen.

1.070–664 v. Chr.: Die Dritte Zwischenzeit

21. bis 25. Dynastie. Regionale Herrscherhäuser sorgen für unklare Verhältnisse. Fürsten aus Libyen bringen ihre eigene Kultur ins Land. Der bisher bestimmende Amun-Kult verliert an Bedeutung, nur in Nubien ist er noch immer stark, sein Zentrum ist der dortige Berg Gebel Barkal.

664–332 v. Chr.: Die Spätzeit

26. bis 31. Dynastie. Assyrische Herrscher installieren ägyptische Könige, die sich später emanzipieren können. Letzter kultureller Aufschwung, Ägypten erobert die Meere, eine erste Umsegelung Afrikas gelingt. Wachsender Einfluss der Griechen, später herrschen die Perser.

332 v. Chr.–395 n. Chr.: Die Griechisch-Römische Zeit

Alexander der Große besiegt in der Schlacht bei Issos die Perser, marschiert durch Gaza bis nach Memphis, wo er freundlich empfangen wird. Prompt lässt er sich zum Pharao krönen, huldigt dem alten ägyptischen Gott Amun, um nicht als Fremdherrscher zu gelten. Er lässt von den Persern zerstörte Tempel restaurieren, gründet aber auch Alexandria nach griechischem Vorbild. Seinem Tod folgen die Diadochenkriege, danach wird Ägypten Teil des Römischen Reiches.

 Nubien

ca. 10.000–5.000 v. Chr.: Graue Vorzeit

Klimawandel im heutigen Nordsudan: Fruchtbare Savannen verwandeln sich in Wüsten. Menschen suchen die Nähe des Nils. Jäger und Sammler werden teilweise sesshaft, züchten Tiere, betreiben Landwirtschaft und Handel.

ca. 3.500–2.500 v. Chr.: Die Prä-Kerma-Kultur

Sie hinterlässt Spuren im gesamten heutigen Sudan: Menschen leben in größeren Siedlungen, betreiben Handel mit Gold, Elfenbein und Ebenholz entlang des Nil bis nach Ägypten.

ca. 2.500–1.480 v. Chr.: Das Königreich von Kerma

Mit Kerma entsteht die erste große Stadt: mit starken Befestigungsanlagen, Tempeln, Palästen und mehreren ausgedehnten Nekropolen. Sie entwickelt sich zum Handelszentrum. Eine eigene Schrift gibt es nicht. In ägyptischen Dokumenten ist stets die Rede vom „Königreich Kusch“. Seine Blüte erreicht es zwischen 1.750 und 1.480 v. Chr. In dieser Zeit haben die Herrscher Einfluss bis weit in den Norden, Dokumente belegen eine Allianz mit den lokalen Herrschern („Hyksos“) im Nildelta.

1.480–ca.1.100 v. Chr.: Ägyptische Herrschaft

Eroberer aus dem Norden besetzen Kusch. Thutmosis I. gründet eine neue Stadt, einen Kilometer von Kerma entfernt: Doukki Gel. Vermutlich von hier aus regiert der ägyptische Statthalter. Kinder der lokalen Elite werden an den Hof des Pharaos geschickt, um den kulturellen Wandel zu beschleunigen. Nubier werden in der Verwaltung eingesetzt, offenbar wird auch Heiratspolitik betrieben: Die aus bürgerlichem Hause stammende, aber einflussreiche Königin Teje, Großmutter des Tutanchamun, soll eine Nubierin gewesen sein.

1.100–ca. 800 v. Chr.: Ein dunkles Zeitalter

Ägypten verliert sein Interesse am Süden, das Mittelmeer scheint interessanter. Aus den folgenden drei Jahrhunderten gibt es kaum Funde, die etwas über das Leben und die Politik im Süden aussagen.

800–753 v. Chr.: Nubische Renaissance

Nahe dem heiligen Berg Gebel Barkal entsteht Napata, Zentrum eines starken Königreiches, das geprägt ist von ägyptischer Kultur.

ca. 753–664 v. Chr.: Die Epoche der Schwarzen Pharaonen

730 bricht König Piye nach Norden auf, erobert und befriedet Ägypten, vereinigt das Land am Nil vom Mittelmeer bis südlich des heutigen Khartoum. Damit gründet er die 25. Dynastie von Pharaonen.

591–300 v. Chr.: Die Unterwerfung

591 v. Chr. führt Psammetich II. einen Präventivschlag gegen Kusch: Er zerstört Tempel und Denkmäler, lässt Statuen zertrümmern und verscharren.

300 v. Chr. – 350 n. Chr.: Das Königreich von Meroë

Die Nubier errichten ihr neues Königreich tief im Süden, die Stadt Meroë wird Regierungssitz. Weitab von Ägyptern und später den Römern erblüht eine reiche Kultur. Aus dieser Epoche sind Schriftstücke überliefert, die bis heute nicht entziffert werden konnten.

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