Klimaforschung in der Unterwelt

Die Innsbrucker Wissenschafterin Gina Moseley steigt in Grönlands Höhlen, um das Klima der Zukunft zu erforschen.
Fotos: Robbie Shone / 2 Min. Lesezeit
Höhlenforschung Grönland
Foto: Robbie Shone

Wer wissen will, welches Klima vor 500.000 Jahren auf Grönland herrschte, der muss in eine Höhle, 35 Kilometer von der Ostküste der arktischen Insel steigen. Dort fand die Innsbrucker Geologin Gina Moseley einen so genannten „Sinter“, also eine flächige Ablagerung, wie sie in langsam abfließendem Wasser auskristallisiert. Dieses 12 Zentimeter kleine Beweisstück eröffnete ihr einen Einblick in eine Vergangenheit, die sich deutlich von der Gegenwart unterscheidet – und wesentlich für unsere Zukunft sein könnte.

Schon die Tatsache, dass Moseley mit ihren Expeditionsmitgliedern auf Grönland einen Sinter finden konnte, überrascht. Denn die Region ist heute eine polare Wüste, der Boden ist das ganze Jahr über gefroren. Vor einer halben Million Jahren war die Erde kühler als heute. Wie also konnte auf Grönland Wasser geflossen sein? Die Daten, die Moseley aus dem Sinter gewinnen konnte, zeigen, dass die Erde damals anders zur Sonne gestanden ist als heute. Dadurch war die Arktis – mitten in einer globalen Kältephase – wärmer als heute. Es gab daher in der Region vergleichsweise weniger Eis und mehr Niederschlag. So konnten die Ablagerungen entstehen.

Gina Moseley in Grönland
Foto: Robbie Shone
Die Geologin Gina Moseley in einer Höhle in Ost-Grönland. Hier hat sie Ablageungen gefunden, die Aufschlüsse erlauben über das Klima vor 500.000 Jahren.

Moseleys Entdeckung, über die sie Ende März im Wissenschaftsjournal „Science Advances“ berichtete, schließt eine gigantische Wissenslücke. Bisher konnten Forscher Temperatur und Niederschlag in Grönland nur anhand von Eisbohrkernen rekonstruieren, die bis rund 128.000 Jahre in die Vergangenheit reichen. Davor war es auf Grönland schlicht zu warm für die Entstehung von Eisschichten.

Expedition Grönland
Foto: Robbie Shone
Camp am Höhleneingang. Die Fundstelle liegt zwei Tagesmärsche von der Ostküste Grönlands entfernt.

Die gebürtige Britin Moseley ist nun schon mehrfach in die entlegenen Höhlen Grönlands gestiegen. Die Expeditionen dorthin sind logistisch aufwendig und körperlich anstrengend, die Fundstellen sind erst nach langen Fußmärschen und einiger Kletterei zu erreichen. Begleitet wird sie dabei meist von ihrem Partner, dem ebenfalls aus Großbritannien stammenden renommierten Höhlenfotografen Robbie Shone. Der hat seine spektakulären Aufnahmen schon mehrfach im Terra Mater Magazin präsentiert. Zuletzt in einer Geschichte über den Gletscherschwund in den Alpen.

Moseley nimmt die Herausforderungen solcher Expeditionen ganz bewusst in Kauf, denn sie ist sich sicher: „Besser zu verstehen, wie sich dieser sensible Teil der Welt in einer wärmeren Zukunft verändern wird, ist für die Zukunft von höchster Priorität.“

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