Eine Minute zum Thema Artenschutz

Gejagt, gefangen, verkauft, ausgerottet: Wie illegaler Handel geschützte Tierarten bedroht – am Beispiel des Goliath-Frosches.
Text: Fabian von Poser, Fotos: Cyril Ruoso / 2 Min. Lesezeit
Goliath-Frosch Eine Minute zum Thema Artenschutz Foto: Cyril Ruoso
Goliath-Frosch: Nur eine der zahllosen durch Wilderei und illegalem Export gefährdeten Spezies.

Amphibien wie der Goliath-Frosch, der ausschließlich in Kamerun vorkommt, sind nicht nur durch die Bedrohungen vor Ort in ihrem Bestand stark gefährdet, sondern auch durch die Verlockungen des illegalen Handels. Grund dafür ist die nie versiegende Nachfrage aus aller Welt – egal ob es darum geht, sich mit Elfenbein zu schmücken oder mit pulverisiertem Horn die Manneskraft zu stärken.

Derzeit schwappt eine Welle der Wilderei über den afrikanischen Kontinent. Im Visier haben die Jäger vor allem emblematische Tierarten wie Elefant und Nashorn. Doch auch Amphibien werden gejagt, gefangen und verkauft – nur kaum jemand spricht darüber. Neben dem Lebensraumverlust stellt der in vielen afrikanischen Ländern völlig unregulierte Handel die größte Bedrohung für die Tiere dar.

Frösche als Buschfleisch

In Kamerun selbst können Goliath-Frösche als Buschfleisch direkt am Straßenrand erworben werden. Die Tiere sind nicht nur wegen der Fleischmenge für die Jäger interessant. Sie haben auch traditionelle Bedeutung. „Goliath-Frösche werden auf wichtigen Festen den Gästen zum Verzehr angeboten, sie gelten als Statussymbol“, sagt Mark-Oliver Rödel, Herpetologe am Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin. „Und die Zahl der Menschen, die sich diesen Luxus leisten können, wächst ständig.“

Auch wenn keine konkreten Zahlen vorliegen, gehen Experten davon aus, dass auch immer wieder Frösche außer Landes geschafft und an Zoos und private Tierhalter verkauft werden. Während die Einfuhr in die Europäische Union verboten ist, gilt etwa in den USA (Stand 2015) kein Einfuhrverbot. Und wer mit dem Export ein gutes Geschäft machen will, der muss die Tiere noch nicht einmal schmuggeln. „Eine Exportgenehmigung für ein national geschütztes Tier gibt es in Kamerun für umgerechnet acht Euro“, sagt Rödel.

Goliath-Frösche werden auf wichtigen Festen den Gästen zum Verzehr angeboten, sie gelten als Statussymbol

Mark-Oliver Rödel, Herpetologe am Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin

Darf's etwas Ausgefallenes sein?

Der Nimbus des größten Frosches der Erde macht die Tiere interessant für Freunde exotischer Tierhaltung, die etwas besonders Ausgefallenes daheim haben wollen. Auch für zoologische Gärten ist ein Goliath-Frosch eine Attraktion. „Um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und Bildungsinhalte zu transportieren, mag die Haltung auch gerechtfertigt sein – vorausgesetzt natürlich, dass die entsprechende Einrichtung in der Lage ist, den Tieren angemessene Lebensbedingungen zu bieten“, meint Rödel. „In Privathand gehören Goliath-Frösche jedoch auf keinen Fall, denn eine Haltung der Tiere ist quasi nicht möglich.“

Wird es eine Spezies wie den Goliath-Frosch in 50 Jahren noch geben? „Wenn ich wetten müsste, dann würde ich sagen: nein, denn die Bedrohungen sind einfach zu vielfältig“, sagt der Forscher. Einzig die Tatsache, dass es auch in afrikanischen Ländern immer mehr einheimische Wissenschafter gebe, die bedrohte Arten erforschen und die sich für deren Schutz einsetzen, verschaffe einem Tier wie dem Goliath-Frosch zumindest ein wenig Hoffnung, so Rödel.

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin 6/2015. Spezielle Daten und Fakten können deshalb überholt sein.

Abo
Angebot für Terra Mater-Jahresabo
  • 4 Ausgaben Terra Mater jährlich

  • Terra Mater Schreibset als Gratisbeilage

  • Baumpatenschaft inklusive

  • Vorteilspreis von € 29,90 – sparen Sie 20% zum Kiosk-Preis!

Zum Angebot