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Eine Minute zum Thema Gendatenbank

Die Gendatenbanken für die Pflanzen bilden das biologische Gedächtnis der weltweiten Landwirtschaft. Die geschichtsträchtigste steht in St. Petersburg und heißt nach seinem Gründer Wawilow-Institut.
Text: Clemens Stachel, Fotos: Elena Chernyshova / 2 Min. Lesezeit
Wawilow Institut Gendatenbank St. Petersburg Foto: Elena Chernyshova
Die andere Seite der Wawilow-Gendatenbank: In den Laboren und auf den Feldern wird Samenmaterial regelmäßig auf seine Keimfähigkeit überprüft.
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Genbanken für Kulturpflanzen und ihrer verwandten Wildarten sind das biologische Backup der weltweiten Landwirtschaft. Sie dienen zur Erhaltung der genetischen Ressourcen und sollen damit das Aussterben von Kulturpflanzen nach Möglichkeit verhindern.

Die weltweit größte Genbank für Kulturpflanzen befindet sich auf Spitzbergen (Norwegen), 1000 Kilometer nördlich des Polarkreises. Bei minus 18°C werden dort geschätzte eine Million Belege aufbewahrt – doppelt gesichert durch Kühlanlagen und bunkerartige Gebäude, die im Permafrostboden verbaut sind.

Weitere Genbanken gibt es in Texcoco (MEX), wo in den 1960er-Jahren die „Grüne Revolution“ begann und rund 150.000 Weizen- und 30.000 Maissorten aufbewahrt werden, und im deutschen Gatersleben. Das dortige Leibnitz-Institut für Pflanzengenetik beherbergt 150.000 Belege.

Die älteste Genbank steht in St. Petersburg und ist eng mit ihrem Gründer Nikolai I. Wawilow verbunden. Wawilow wurde 1887 in Moskau geboren und war Geobotaniker und Genetiker. Ab 1921 leitete er das Institut für Angewandte Botanik und Pflanzenzucht in Leningrad (heute St.Petersburg) und stieg zum führenden Agronomen des Landes auf. Als Direktor des „Allunionsinstituts für Angewandte Botanik“ baute er in den 1920er-und 1930er-Jahren die weltgrößte Sammlung von Kulturpflanzenvielfalt auf und war einer der einflussreichsten Naturwissenschaftler seiner Zeit.

Im Wawilow-Instituts lagert eine Viertelmillion Sorten – es ist damit Europas größte Genbank für landwirtschafliche Nutzpflanzen. Insgesamt umfasst die Sammlung etwa 330.000 Sorten aus 2.200 Pflanzenarten und gehört damit zu den fünf größten Pflanzengenbanken der Welt. Zehn Abteilungen und rund 300 Mitarbeiter kümmern sich um verschiedene für die Landwirtschaft wichtige Zweige des botanischen Stammbaums: In der Abteilung der Weizenverwandten etwa türmen sich rund 50.000 Sorten, in der Kartoffel-Abteilung über 8.000. Elf Forschungsstationen mit Versuchsfeldern und Vemehrungsgärten sowie weiteren 400 Mitarbeitern bilden ein über ganz Russland und seine unterschiedlichen Klimazonen gespanntes Netzwerk.

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Wawilow Institut Foto: Elena Chernyshova
Die Direktorin des Wawilow-Instituts in St. Petersburg, Elena Chlestkina, mit ihrem Schirmherrn Nikolai Wawilow.

Nikolai Wawilow konnte die Früchte seiner Aufbauarbeit nicht lang genießen. Bereits Ende der 1920er-Jahre begannen seine Probleme mit der Politik Josef Stalins. Dieser lehnte die moderne genetische Wissenschaft als „bourgeois“ ab und forderte von Wawilow und seinem Team Unmögliches: neue, hochertragreiche Getreidesorten innerhalb kürzester Zeit zu züchten. Wawilows Genetikerkollege Trofim D. Lyssenko, dank pseudowissenschaflicher Thesen und gefälschter Feldversuche ein Günstling Stalins, wurde zu Wawilows größtem Gegenspieler und war mit schuld an dessen Absetzung.

So wie hunderte andere unliebsame Wissenschafler wurde Wawilow verhaftet und wegen angeblicher „antisowjetischer“ Umtriebe zum Tode verurteilt. Später wurde das Urteil in 20 Jahre Haft umgewandelt. Am 26. Jänner 1943 verhungerte Wawilow in seiner Gefängniszelle.

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