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So unglaublich schlau sind Oktopusse

Wer von Intelligenz im Tierreich spricht, kommt nicht umhin, über einen mehr als bemerkenswerten Meeresbewohner zu staunen: den Oktopus. Was macht die Kraken so speziell?
Text: Katharina Kropshofer und Kurt de Swaaf, Fotos: Birgit Palma und Daniel Triendl / 1 Min. Lesezeit
Illustration, Wasser, Oktopus Foto: Birgit Palma und Daniel Triendl
Oktopusse haben immer eine Strategie auf Lager.
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Der Kopffüßer verblüfft seit einigen Jahren die Wissenschaft und, seit dem Erscheinen zahlreicher Bücher, auch den Rest der Welt. Oktopusse, auch Kraken genannt, haben scheinbar nichts mit uns gemeinsam, weder anatomisch noch geistig.

Der letzte gemeinsame Vorfahre von Wirbeltieren und Kopffüßern lebte vor rund 600 Millionen Jahren. Trotzdem schaffen Oktopusse Dinge, die bisher nur Ersteren zugetraut wurden: Sie öffnen Tablettenbehälter mit Kindersicherung und bewerfen in Aquarien Tierpfleger über den Beckenrand hinweg mit Gegenständen, wenn ihnen etwas nicht passt.

Dass sie tendenziell Menschen verschonen, die sie mögen, weckt den Verdacht, dass sie uns unterscheiden können. Sie sind zudem virtuose Verwandlungskünstler, die andere Meereslebewesen imitieren können, und sie nützen Gegenstände, um sich darin vor Fressfeinden zu verstecken oder damit ihren Bau zu vermauern.

Neugier, Lernfähigkeit, Spielverhalten, Logik, eventuell sogar Persönlichkeit: Sie besitzen Fähigkeiten, die man lange nicht mit diesen Tieren assoziierte. Wirbellose Tiere galten lange als nur reflexgesteuert. Das Nervensystem des Oktopus ist größer und komplexer als das aller anderen wirbellosen Tiere, zu denen Muscheln und Schnecken gehören.

Gleichzeitig ist es das erstaunlichste: Zwei Drittel der Neuronen befinden sich nicht im Gehirn, sondern sind im Körper verteilt, die meisten in den acht Armen. Große Teile des neuronalen Netzwerkes dienen dazu, die vielfältigen Bewegungen der Glieder zu kontrollieren und Eindrücke zu verarbeiten, die diese Arme liefern.

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Der Oktopus beherrscht Dinge, die man üblicherweise nur Menschen zutraut.

Der Zoologe Martin Wells soll die Tiere wegen dieser ungewöhnlichen Anatomie einmal als Aliens bezeichnet haben. Die Intelligenz der Kraken stellt uns vor eine Frage, die auch Philosoph und Meeresforscher Peter Godfrey-Smith aufwirft:

Ist es sinnvoll, die geistigen Fähigkeiten von Kraken mit jenen von Wirbeltieren und Menschen zu vergleichen?

Der aktuelle Konsens der Forschenden lautet: nein. Sinne und Anatomie des Oktopus sind so einmalig, vielleicht sogar einzigartig in der Evolution, dass ein Vergleich mit anderen Tieren unsinnig wäre. Und sein Körperbau zeigt, dass es mehrere Wege gibt, ein komplexes Gehirn zu bauen.

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin, September 2021.

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