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Sind Katzen wirklich so unsozial wie wir glauben?

Über Katzen und Menschen: „Es gibt diesen Glauben, dass Katzen nicht besonders sozial sind“, sagt Kristyn Vitale von der Oregon State University. „Doch die Realität sieht anders aus.“
Text: Katharina Kropshofer und Kurt de Swaaf, Fotos: Birgit Palma und Daniel Triendl / 1 Min. Lesezeit
Illustration, Katzen, Treppe, Ball, Pflanze Foto: Birgit Palma und Daniel Triendl
Clan-Tier: Katze.
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Vitale studiert seit Jahren das Verhalten der Katzen untereinander und Menschen gegenüber – ein Forschungsgebiet voller Überraschungen. Das Bild der eigenbrötlerischen Samtpfoten bekam schon Ende der Siebzigerjahre Risse, als zwei britische Biologen das Verhalten von größeren Katzengruppen auf Bauernhöfen untersuchten – und zu ihrer Verblüffung Sozialstrukturen fanden, die denen eines Löwenrudels ganz ähnlich waren: Die Tiere leben offenbar in Clans.

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Katzen sind sozialere Tiere, als deren Besitzer mutmaßen. Es liegt am Menschen, wenn die Tiere unsozial erscheinen.

Den Kern dieser Gesellschaften bilden weibliche Katzen, die oft Blutsverwandte sind. Mutterkatzen helfen sich gegenseitig als Hebammen und ziehen häufig gemeinsam ihre Babys groß, Säugen inklusive. Das erhöht den Fortpflanzungserfolg. Solche Katzengemeinschaften bilden sich – ersten Studien zufolge – stets dort, wo es reichlich Futter gibt, erklärt Kristyn Vitale. Den besten Zugang dazu bekommen die Angehörigen der ranghöheren Gruppe – wie in einem Kastensystem:

  • Kätzinnen bleiben meist im Familienverband, während die Kater in der Regel fortziehen.

  • Innerhalb eines Rudels gibt es zudem festere und weniger intensive Kontakte. Vor allem Wurfschwestern sind einander oft sehr zugetan und bilden Bünde fürs Leben. Natürlich spielen in den Beziehungen auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Tiere eine Rolle, meint Vitale: „Das ist so ähnlich wie bei Menschen.“

  • Katzen sind, sozial gesehen, wahrscheinlich verhaltensflexibel. Je nach Lebensumständen kommen sie sowohl alleine wie auch in Gruppen zurecht. Bindungsfähigkeitist jedoch eine biologisch relevante Eigenschaft, wie Kristyn Vitale betont. Das spiegelt sich auch im Verhältnis zwischen Samtpfoten und Zweibeinern.

  • Die Katzen nehmen ihre Menschen tatsächlich als Verbündete an. Vitale hat das in einem klassischen Verhaltensexperiment aufgezeigt: Verlässt die Bezugsperson das Labor und kommt dann wieder, holen sich die Tiere zunächst eine Dosis Körperkontakt – und damit wohl ein Gefühl der Sicherheit. Das nutzen sie dann, um die fremde Umgebung zu erforschen. Kleinkinder reagieren übrigens ganz ähnlich. Es lässt sich sogar erkennen, ob Katzen stabil gebunden oder unsicher sind.

Vitale ist überzeugt: Wenn Katzen ungesellig erscheinen, liegt das wohl eher an unseren eigenen Vorbehalten. Wer sie nicht ausreichend beachtet, wird ignoriert.

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin, September 2021.

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