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Problemlöser Hyänen: Die Schlauen aus der Savanne?

Hyänen gelten als feige Aasfresser, als hässlich und verschlagen. Alles nur Vorurteile – die Evolution hat die Rudelräuber bestens ausgestattet. Was macht sie so schlau?
Text: Katharina Kropshofer und Kurt de Swaaf, Fotos: Birgit Palma und Daniel Triendl / 1 Min. Lesezeit
Illustration, Hyäne, Box Foto: Birgit Palma und Daniel Triendl
Die schlauen Opportunisten aus der Savanne.
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Neben einer gewaltigen Beißkraft und scharfen Sinnen verfügen vor allem Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) auch über eine Menge Grips. Die Biologin Lily Johnson-Ulrich testete die Fähigkeiten dieser Tiere im kenianischen Nationalpark Masai Mara.

Dazu setzte sie ihnen eine sogenannte MAB vor, eine Multi-Access-Box. Dieser Würfel mit einer Seitenlänge von rund 40 Zentimetern hatte mehrere Zugangstürchen und war mit Leckerbissen gefüllt. Wollte ein Tier den Happen ergattern, musste es einen bestimmten Öffnungsmechanismus betätigen.

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Damit die Hyänen die Box nicht einfach aufbeißen, wählte Johnson-Ulrich eine MAB aus Stahl, die vier verschiedenen Zugangsmöglichkeiten aufwies: eine Schiebetür, eine Schublade, eine Luke mit Türknauf und eine Drucktür. Hatte eine Hyäne ein Türchen „geknackt“, wurde dieses beim nächsten Test verriegelt und die MAB dem Tier erneut vorgesetzt. Nun musste es einen anderen Weg suchen.

Ein stählerner Kasten, gefüllt mit Leckereien, bewies Forschern, dass die Tiere bis zum Futter vordringen können, wenn sie nur wollen.

Die Arbeit mit den wilden Probanden erforderte vom Personal viel Aufwand:

  • Die Vierbeiner mussten zunächst lernen, Johnson-Ulrich und ihren Kollegen zu vertrauen.

  • Zweitens wollte die Forscherin möglichst viele verschiedene Hyänen testen – junge und alte, dominante und untergeordnete, Weibchen und Männchen. Gerade Letztgenannte waren schwierig zu erreichen. „Es brauchte viele, viele Stunden“, erzählt Johnson-Ulrich.

Der Hintergrund: Hyänenrudel sind konsequent matriarchalisch organisiert, die männlichen Tiere stehen stets an rangniedrigster Stelle. War einer von ihnen endlich am MAB zugange, lief er Gefahr, schnell von einer neugierigen Oberen verscheucht zu werden. Trotz solcher Hürden konnte die Biologin schließlich 72 Hyänen involvieren.

23 davon lösten das Puzzle mindestens einmal. Meistens gelang es diesen Tieren auch, ein verriegeltes Türchen durch das Öffnen eines weiteren zu umgehen, sie bewiesen also innovatives Verhalten. In vielen Fällen aber zeigten Hyänen gar kein Interesse an der MAB. Sie dösten stattdessen lieber in der Sonne oder balzten herum.

„Ihre Persönlichkeit ist wahrscheinlich der entscheidende Faktor, wenn es darum geht, ob sie die Box überhaupt untersuchen“, meint Johnson-Ulrich. Vielleicht, ergänzt sie lächelnd, sei es ein Zeichen von Klugheit, erst gar nicht auf dem Metallkasten herumzubeißen.

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin, September 2021.

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