Hund, aber richtig

Das Miteinander von Mensch und Hund ist eine 35.000 Jahre lange Erfolgsgeschichte. Kommt es dennoch zu Missverständnissen, ist meist das obere Ende der Leine gefordert. Versuch einer Entwirrung.
Text: Robert Sperl, Fotos: Ander Pecher / 11 Min. Lesezeit
Hund liebstes Haustier Vorzüge Vorurteile
Foto: Ander Pecher
Am Anfang stand immer der Wolf. Wer den Stammbaum der Hunde betrachtet, kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Wie Wölfe zu Hunden wurden

In tiefer Vergangenheit sind Wölfe spirituelle Partner des Menschen, wohl wegen ihrer ähnlichen Lebensweise. Beide kreative Laufjäger, sozial in kleinen Gruppen organisiert, von der Beute bis zum Nachwuchs ist alles hierarchisch geregelt. Vor rund 35.000 Jahren wird daraus eine Arbeitsgemeinschaft: Erste Hunde sind noch wolfsähnlich, bedingt durch den nomadischen Lebensstil.

Per Selektion auf Zahmheit entstehen erste unterschiedliche Formen, kurz-/langbeinige, kurz-/langohrige, kurz-/langschnauzige. Den zweiten Domestizierungsschritt vor rund 17.000 Jahren in Südostasien bedingt die Sesshaftwerdung, noch viel später, vor 400 bis 200 Jahren, züchten Menschen erstmals die aktuellen Rassen.

Im Hund lebt der Wolf weiter – manchmal mehr, als uns lieb ist –, doch sein Gehirn schrumpft, er ist kein Rudeltier mehr, zeigt kaum Konkurrenzverhalten, nimmt offensiv Kontakt mit seiner Umgebung auf, und sein Magen passt sich an die menschennähere Lebensweise an.

Der Hund denkt in neuen, steileren Hierarchien. Die Rangfolge im Wolfsrudel basiert weniger auf Gewalt und Aggression als auf Freundlichkeit und Respekt – stets gilt, Ziele gemeinsam zu erreichen. Die Lösung des Paradoxons, warum Hunde im Vergleich zu Wölfen nicht nur autoritätshöriger sind, sondern auch feindseliger gegenüber Artgenossen und Menschen, liegt, so der Verhaltensforscher Kurt Kotrschal in seinem Buch „Hund & Mensch“, in der durch die Domestikation verfestigten Unterscheidung von uns und den anderen. Man verteidigt, was einem gehört, so Kotrschal: „Soziale Intelligenz und Kooperationsbereitschaft der Hunde sind zwar direktes
Wolfserbe, aber Hunde stellen sie eben in den Dienst der Menschen.“

Soziale Intelligenz und Kooperationsbereitschaft der Hunde sind zwar direktes Wolfserbe, aber Hunde stellen sie eben in den Dienst der Menschen.
Kurt Kotrschal, Verhaltensforscher und Hundespezialist

Der Teamarbeiter Wolf ist im Hund die Basis für die gute Hund-Mensch-Beziehung. Diese entwickelte sich durch die Domestizierung jedoch in eine spezielle Richtung, wie Studien zeigen. Während Hunde sich in der Kooperation eher am Verhalten der Menschen orientieren und deren Lösungsvorschlägen folgen, suchen Wölfe eher eigene Lösungen. Bei der Domestizierung wurden wohl jene Tiere bevorzugt, die eine höhere Unterwürfigkeit zeigten und damit eine bessere Alltagsverträglichkeit.

Die Gehirne von Mensch und Hund funktionieren übrigens erstaunlich ähnlich, mit spannenden Übereinstimmungen in jenen Systemen, die das Sozialverhalten steuern. Auch Grundemotionen wie Angst, Spielfreude, Furcht, soziale Panik, Fürsorge und sexuelle Lust teilen wir mit Hunden, ebenso das Prinzip, wie unsere innere Stimmung durch Körpersprache und Mimik nach außen kommuniziert wird: Mensch und Hund haben ein öffentliches Gefühlsleben.

Das Wunder Hund

Hunde begannen ihre Karriere als Jagdgefährten, Wachhunde, Opfertiere und – bei den amerikanischen Indianern – als lebender Proviant. Dann zogen sie Schlitten und mit ihren Herren in den Krieg; nun finden sie Vermisste und Verschüttete, sind Sportgeräte, assistieren physisch und psychisch Kranken. Sie erschnüffeln Sprengstoff, Drogen, Leichen und können – ein Rätsel – sogar eineiige Zwillinge (anhand ihrer DNA-Proben) unterscheiden.

Hunde besitzen über beinahe alle Rassen hinweg erstaunliche Fähigkeiten, die wesentlich mit ihrem Geruchssinn zu tun haben: Mit bis zu 300 Millionen Geruchsrezeptoren lassen sie Menschen (mit etwa fünf Millionen) klar hinter sich. Sie haben eine größere Geruchsschleimhaut, ein voluminöseres Riechhirn, mehr Luftdurchsatz (durch höhere Atemfrequenz) und wickeln Atmen und Riechen permanent parallel über beide Nasenlöcher ab.

Hunden genügen homöopathische Dosen einer Substanz, um sie aufzuspüren – ein Tropfen in einem olympischen Schwimmbecken reicht. (Sie haben im Gegensatz zum Menschen – aber wie etliche andere Säugetiere auch – zudem ein funktionierendes zweites Geruchsorgan: Das Vomeronasalorgan ortet speziell Geruchssignale, mit denen Tiere untereinander kommunizieren.) Dank ihrer Geruchssensibilität können Hunde abgerichtet werden, jene flüchtigen organischen Verbindungen zu erschnüffeln, die Krankheiten wie Epilepsie und Diabetes als Begleiterscheinung. (Apropos: Auch Hippokrates hat an seinen Patienten geschnüffelt.) Sie entdecken anhand von Harnproben Prostatakrebs bereits im Frühhstadium, ebenso Eierstockkrebs. Sie identifizieren Lungenkrebs am Atem, Hautkrebs durch veränderte Körperausdünstung und Darmkrebs am Geruch des Stuhls. Ihre Trefferquote liegt nahe am Ideal: Eine Forschergruppe vom Humanitas Research Hospital in Mailand kam bei Prostatakrebs auf 98 Prozent, was medizinische Verfahren übertraf.

Hunde riechen Angst (bei Menschen, die sich vor ihnen fürchten) und die Zeit: Sie sortieren Duftspuren so präzise, dass sich in Tests eine zeitliche Abfolge darstellen lässt.

Hunden genügen homöopathische Dosen einer Substanz, um sie aufzuspüren – ein Tropfen in einem olympischen Schwimmbecken reicht.
Der Hund als Wunder der Natur

Es wäre jedoch unfair, Hunde auf ihren Geruchssinn zu reduzieren: Sie hören auch besser als der Mensch (Frequenzbereich 40 bis 60.000 statt 20 bis 20.000 Hertz) und sind Meister der Interpretation. Hunde erkennen kleinste Verhaltensänderungen ihrer Menschen und ziehen daraus ihre Schlüsse: Oft zeigen sie werdenden Müttern deren Schwangerschaft an, noch ehe Tests dies bestätigen.

Sprechen Sie Hund?

Menschen kommunizieren vorrangig verbal, Hunde als Gesamtpaket. Bellen ist nur ein Teil ihres Wortschatzes, den erst Augen- und Ohrenbewegungen, Fellzustand, Körperhaltung und Schwanzwedeln komplettieren.

Bereits das Bellen ist subtil. Hunde bellen nie ohne Anlass. Wohlbehagen, Angst, Aufregung, Aggression, Langeweile: Es wird Laut gegeben. Beeinflusst wird das Timbre durch zusätzliche Faktoren: fremde Menschen, ein anderer Hund, Außengeräusche, Durst, Schmerz. Und plötzlich ist es nicht mehr nur Bellen, sondern Kläffen, Knurren, Grummeln, Grunzen.

Eifrige Hundehalter legen deshalb ein Geräuschglossar an und ergänzen es tunlichst mit einem Bildarchiv für das zweitwichtigste Kommunikationsinstrument, die Rute. Denn: Freut sich der Hund tatsächlich, wenn er mit dem Schwanz wedelt? Hat man die Höhe der Rute (je höher, desto selbstbewusster; beachten Sie aber die Normalhaltung), die Wedelfrequenz (je schneller, desto aufgeregter), die Weite der Bewegung und die Anspannung berücksichtigt? Und: Ein kupierter, also gekürzter Schwanz provoziert Kommunikationsfehler und erhöht die Gefahr von Missverständnissen.

Wohlbehagen, Angst, Aufregung, Aggression, Langeweile: Hunde bellen nie ohne Anlass.
Darum ist es wichtig, die Hundesprache zu verstehen.

Wichtig ist auch die seitliche Schwenkrichtung. Sie teilt vor allem Artgenossen die grundsätzliche Befindlichkeit mit. Eher nach rechts gerichtetes Wedeln, ausgelöst von der aktiven linken Hirnhälfte, ist positiv besetzt – das schafft etwa der Anblick der vollen Futterschüssel. Eher nach links gerichtetes Wedeln, ausgelöst durch die rechte Gehirnhälfte, setzt der Hund ein, wenn er auf unfreundliche Artgenossen trifft.

Hinter der asymmetrischen Schwanzbewegung steckt die Lateralisation des Gehirns. Hunde verarbeiten – wohl aufgrund ihres langen Kontakts zu Menschen – in unserer Sprache enthaltene Information und Emotion ähnlich arbeitsteilig wie wir: die Bedeutung von Kommandos in der linken Hirnhälfte (rationale Prozesse) und den Tonfall in der rechten (emotionale Prozesse). Hunde können zudem präzise differenzieren, was wir wie sagen. Und sie interpretieren und kombinieren: Ein schmeichlerisches „Du elender Köter!“ verfehlt seinen Zweck.

Damit es nicht zu einfach wird: Zusätzliche Augen-, Ohren- und Körperbewegungen sind der Basso continuo der Hundekommunikation. (Der Hund benutzt allein 17 Muskeln, um seine Ohren zu bewegen.) Keine Sekunde vergeht ohne diese „Begleitmusik“ – und Menschen erhalten zahllose Möglichkeiten, etwas misszuverstehen.

Belohnung und Spaß

Hunde können sich in Menschen hineinversetzen, unsere Gefühle, Absichten und Erwartungen vermuten und darauf reagieren. Psychologen nennen diese Fähigkeit Theory of Mind (ToM). Hunde sind dabei nicht so gewitzt wie Affen, das hat wohl mit dem Sozialverhalten der Art insgesamt zu tun: Hierarchisch simple Wolfsrudel benötigten keine große Komplexität in Sachen Gefühl.

Dieses ToM-Talent ist wohl mitentscheidend für die exzellente Lernfähigkeit von Hunden. Die Hundeerziehung setzt idealerweise belohnungsorientierte Strategien ein: Hunde werden mit Leckerlis, Streicheleinheiten und Lieblingsspielzeug honoriert, so sie Aufgaben erfolgreich absolvieren. Schaffen sie es nicht, gibt es zwar Frustration (= keine Belohnung), aber sofort die Chance, den Fehler gutzumachen.

Wie eifrig wir lehren, ist entscheidend dafür, was Hunde erlernen. Paart sich in diesem Prozess die Fähigkeit des menschlichen Konzeptgehirns mit dem Leistungsvermögen der Hunde, entstehen im Alltag erstaunliche Teamleistungen, etwa im Hundesport. Verpönt sind beim Lehren allerdings körperliche Züchtigung oder ähnliche Methoden. Letzteres mache Hunde pessimistisch, sagt Evolutionsbiologe Marc Bekoff von der University of Colorado: Selbst mildes Bestrafen, etwa Wegsperren, ist bereits zu streng. (Verblüffend: Hunde sind erstaunlich fehlertolerant und entwickeln bizarre Nehmerqualitäten zu Menschen, von denen sie schlecht behandelt werden.)

Je unmissverständlicher der Mensch mit dem Tier kommuniziert, desto größer die Chance, dass die Botschaft ankommt.
Hunderziehung verlangt vom Menschen Konsequenz

Brachialerziehung erzielt ebenfalls Ergebnisse, die Erfolge angstfreier Erziehung sind jedoch tiefer verankert. Hunden durch Furcht und Gewalt Vermitteltes bleibt dünnes Eis. Zudem verlieren Tiere, die schlecht behandelt werden, das Grundvertrauen und erlangen dieses nie wieder ganz zurück.

Entscheidend in der Erziehung ist auch das Maß der eingesetzten Akribie. Der Hund ist ja zumeist auf Vermutungen angewiesen. Je unmissverständlicher der Mensch mit dem Tier kommuniziert, desto größer die Chance, dass die Botschaft ankommt.

Der Weg zum harmonischen Zusammenleben ist mit Konsequenz gepflastert, sagt Biologe und Hundebuchautor Jochen Stadler. Es gibt wohl eine Asymmetrie in der Beziehung – Erziehung ganz ohne Dominanz ist undenkbar –, aber es geht um möglichst sparsame Unwucht. Und den Faktor Spaß, der Erziehung erst für beide Seiten erstrebenswert gestaltet. Dann tritt auf, was Verhaltensforscher Frans de Waal entdeckte: Hunde sind durch ihre große empathische Bindung zum Menschen die einzige Spezies, die bei wissenschaftlichen Tests zur Höchstform aufläuft.

Was frommt dem Hund?

Ein Hund ist immer im Dienst, deshalb braucht er auch täglich an die 15 Stunden Schlaf. Den Rest der Zeit füllen seine Menschen am besten mit Routine, denn Hunde sind Gewohnheitstiere. Das beginnt mit dem Futter – variatio non delectat – und endet bei den Spaziergeh- und Spielritualen.

Hunde brauchen Zeit, um gegenüber Artgenossen ihre Grußrituale zu zelebrieren. Sie senden schon von Weitem Signale aus, die Sympathie, Rangordnung, Freude und Anspannung mittransportieren und prompt erwidert werden. Es folgt das Riechritual: Hunde riechen an allem und jedem, auch an delikaten Stellen, was wir Menschen – soweit möglich – zulassen sollten.

Das Spiel schließlich ist für Hunde das Wichtigste, weil dieser Trieb tief in ihnen verankert ist. Raubtiere – deshalb also auch Hunde – sind besessen davon, Dinge zu erjagen. (Leider lösen bei unerzogenen Tieren auch Radfahrer und Jogger diesen Reflex aus.) Dieser Trieb kreiert Situationen, in denen sie möglichst viel zum Thema lernen wollen: wie man die Beute findet, sie jagt, zur Strecke bringt, dabei austrickst, wenn sie sich wehrt oder Gegenstrategien anwendet.

Soziales Spielen, um die Rangordnung auf spielerische Weise zu testen, ist untergeordnet. Im Hundespiel gibt es keinen Gewinner und Verlierer, und am Ende des Spiels steht auch keine neue soziale Rangordnung in der Gruppe. Im Hundespiel dominiert Fairness zwischen den verschiedenen Größen, Altersgruppen und Rassen. Hierarchien verschwinden zugunsten eines Handicap-Systems – Große machen sich kleiner, Stärkere sich schwächer, Junge sich älter.

Das Wichtigste für Hunde ist das Spiel – dieser Trieb ist tief in ihnen verankert.
Darum, lieber Mensch, lass deinen Hund auch spielen.

Spiel ist natürlich auch Training der körperlichen Fitness für den Ernstfall. Deshalb praktizieren Hunde es bei jeder Gelegenheit und verhalten sich auch so, dass sie die Möglichkeit dazu bekommen, es zu tun. Ein entscheidender Punkt dabei: Der Hund darf beim Spielen nicht nur von Menschen lernen, man muss ihn auch von Hunden lernen lassen.

 Vorsicht Irrtum!

Missverständnis Leine: Hunde an der Leine sind klarerweise fremdbestimmt. Sie werden ständig geführt – und vorgeführt. Jede Emotion, jeder Charakterzug des Menschen überträgt sich auf den Hund: Ist dem Menschen eine Begegnung unangenehm, ist sie das in der Sekunde auch dem Hund. Ist freies Kennenlernen ohne Leine (dann machen sich die Hunde das artgerecht aus) unmöglich, sollte der Mensch sich möglichst neutral verhalten, sonst kommt es zum gefürchteten Leinengezerre.

Missverständnis Hundespiel: Hunde beherrschen ein Verhalten, damit Spiel nicht in Aggression übergeht. Hundespiel ist also nicht Hundekampf. Bestes Erkennungszeichen ist der play bow – Kopf unten, Hinterteil in der Höhe – der Spielpartner. Diese Körperhaltung zeigt: Ich will spielen, nicht kämpfen – und ich will, dass du das auch so siehst. Evolutionsbiologe Marc Bekoff hat vier Regeln beschrieben, an die sich Hunde offenbar halten: Sie fragen Artgenossen zuerst um Spielerlaubnis, etwa durch Bellen. Sie benehmen sich: Wird geschnappt oder gebissen, dann nicht zu hart. Sie entschuldigen sich, wenn sie Fehler gemacht haben (etwa zu fest zugeschnappt haben). Und sie sind ehrlich: Wer etwa ein Spiel mit dem Vorsatz beginnt, die Regeln zu brechen, wird von der Hundebande künftig gemobbt.

Missverständnis Kommunikation: Wollen Menschen sich kennenlernen, investieren sie Zeit und Zuwendung ineinander. Diese Binsenweisheit gilt auch für Hunde: Legen Sie sich deshalb ein Vokabelheft an – wann nimmt Ihr Hund wie mit Ihnen Kontakt auf? – und merken Sie sich diese Vokabeln. Wichtiger Zusatz: Hunde werden lieber gestreichelt als verbal gelobt.

Missverständnis Ehrlichkeit: Hunde können lügen: Weil sie sich gerne bemitleiden lassen, täuschen sie etwa durch Hinken eine Verletzung vor. Oder sie beißen nach vorne, obwohl sie nach hinten freundlich wedeln.

Missverständnis Hundeblick: Hunde starren keine Bilder in die Luft und schauen nicht trübsinnig. Ihre hochgezogene innere Augenbraue (die Wölfe nicht haben) lässt Hundeaugen größer erscheinen und ihr Gesicht kindlich wirken, was bei Menschen einen Betreuungsimpuls auslöst. Dieser Blick ähnelt tatsächlich dem trauriger Menschen.

Missverständnis Aggression: Auch wenn Statistik insgesamt ein Netz mit ziemlich großen Löchern ist – neun von zehn Bissopfern kennen den Hund, der sie beißt. Die Bissursache liegt fast ausschließlich darin, dass die Opfer nur gebrochen „Hund“ sprechen und Warnsignale missachten.

Missverständnis Liebe: Hunde lieben uns nicht, weil wir die Rudelführer sind, sondern, weil wir bis ins hohe Alter so verspielt sind. Die Verspieltheit teilen wir mit ihnen: Hunde bleiben ewig junge Wölfe – das hält sie lernfähig. Deswegen sind wir ziemlich beste Freunde.

Hunde machen Menschen besser

Wer sich ernsthaft für einen Hund entscheidet, muss viel von seinem bisherigen Leben aufgeben. Eine haarfreie Wohnung, spontane Urlaube, manche Hobbys: alles Geschichte. Trotzdem: Je nach bisherigem Vorleben des Menschen sind Hunde eine gelungene Investition in Glück.

Menschen fühlen sich in Hundegesellschaft – das beweisen viele Studien – wohler, weil sie mit ihnen nicht nur simple Emotionen wie Freude und Schmerz teilen können, sondern auch komplexere wie Eifersucht und Mitleid. Hunde werten dabei nicht – was auch Menschen bisweilen gut anstünde. Hundebesitzer sind körperlich aktiver und damit gesünder, was der Vor- und Nachsorge dient. Hunde wirken entschleunigend, selbst wenn man mit ihnen über den Agility Parcours hetzt.

Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!
Humorist Vicco von Bülow alias Loriot

Hundebesitzer sind zudem kompromissbereiter, im Alltag besser vernetzt und emotional besser geerdet: Verhaltensforscher Kurt Kotrschal nennt Hunde ein „soziales Schmiermittel“, auch wenn das noch nicht in allen Lebensbereichen Einzug gehalten hat.

Hunde wirken anregend, und doch kann nicht jeder von uns am Ende wie Franz Kafka die „schöpferische Musikalität“ der Tiere so beschreiben: „Sie redeten nicht, sie sangen nicht, sie schwiegen im Allgemeinen fast mit einer großen Verbissenheit, aber aus dem leeren Raum zauberten sie die Musik empor. Alles war Musik, das Heben und Niedersetzen ihrer Füße, bestimmte Wendungen des Kopfes, ihr Laufen und ihr Ruhen ...“ Humorist Vicco von Bülow alias Loriot postulierte artspezifisch: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“ Korrigieren wir behutsam: Menschen sind ohne Hunde undenkbar, ebenso wie Hunde ohne Menschen. Da jene in den letzten 35.000 Jahren stets mit diesen gelebt haben, fehlt schlicht die Kontrollgruppe, die sagen könnte, wie man ohne auskommt.

Je später man sich für einen Hund entscheidet, desto größer das Versäumnis: Wachsen Kinder mit Hunden auf, entwickeln sie sich erwiesenermaßen zu besseren Menschen: Sie sind selbstbewusster, rücksichtsvoller, verantwortungsbewusster, zeigen höhere soziale Kompetenz und bessere Impulskontrolle. Während Hunde bei Erwachsenen Stress abbauen und sich damit positiv auf Blutdruck und Herzfrequenz auswirken, wirken sie bei Kindern noch einmal ganz speziell: Über die Tiere gelangen Bakterien und andere Einzeller auf das Mikrobiom der Kinder und härten diese damit ab, als schmerzlose Schutzimpfung auf vier Beinen.

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