Ein Wunder namens Hirschferkel

Sie tragen weder Geweih noch Hörner, und doch zählen die Hirschferkel zu den kleinsten Paarhufern weltweit.
Text: Redaktion, Fotos: GettyImages / 1 Min. Lesezeit
Terra Mater Wunder der Natur Mäusehirsch Foto: GettyImages
Der Kanschil oder Mäusehirsch aus der Familie der Hirschferkel: Scheu, dämmerungsaktiv und Teil einer interessanten Verwandtschaft.

Gut vernetzte Menschen schätzen den Effekt: Irgendjemand im Bekanntenkreis kennt jemanden, der jemanden kennt, und der kann dann mit seinen Kontakten zu jemand ganz Wichtigem weiterhelfen. Der Ungar Karinthy Frigyes postulierte 1929, dass alle Menschen über lediglich sechs solcher Freundesfreunde miteinander zu verbinden wären.

Unter Tieren scheint das ähnlich zu sein, jedenfalls wenn es nicht um Bekanntschaften, sondern um Verwandtschaften geht. Probe aufs Exempel: der Kleinmaushirsch oder Kantschil aus der Familie der asiatischen Hirschferkel. Er lebt in Südostasien, wird nur 45 Zentimeter lang und ist damit der kleinste lebende Paarhufer. Höchst unauffällig also.

Aber die Verwandtschaft! Sein Cousin, das ihm zum Verwechseln ähnliche Afrikanische Hirschferkel, springt bei Gefahr ins Wasser und taucht ab. Das machte wohl auch der ebenfalls wassergängig gebaute Indohyus, der vor 48 Millionen Jahren lebte. Forscher vermuten, dass solche Tiere die ersten Evolutionsschritte der Säugetiere in Richtung Meer taten und somit die Ahnen der Wale sind. Indiz dafür sind Ähnlichkeiten an den Schädeln von Indohyus und Wal.

Und jetzt der Zirkelschluss: Die DNA zeigt eine enge Verwandtschaft von Walen und Paarhufern, also Schweinen, Kühen und – Kantschils. Wenn Karinthy Frigyes das gewusst hätte!

Besondere Merkmale der Hirschferkel

Rehäuglein. Die Augen sind verhältnismäßig groß. Damit haben die dämmerungsaktiven Tiere auch im Zwielicht den Durchblick.

Duftspender. Mit Geruchsdrüsen unter dem Kinn markieren die Tiere die Grenzen ihrer rund fünf Hektar großen Reviere.

Steiler Zahn. Männchen leisten sich zwei stoßzahnartige Eckzähne. Vielleicht kompensieren sie damit ihr fehlendes Geweih.

Empfindlicher Magen. Die Tiere bevorzugen Früchte und Blätter von Pionierpflanzen, die auf frisch gerodetem Waldboden wachsen. Deshalb sind sie auch nicht vom Aussterben bedroht.

Schlanke Stelzen. Das Geläuf wirkt fragil, doch das macht nichts – die Tiere werden höchstens zwei Kilogramm schwer. Und pro Tag legen sie in ihren Revieren nur rund 500 Meter zurück.

Übersicht Katschil – Tragulus kanchil

Verbreitungsgebiet

Südostasien

IUCN-Status (International Union for Conservation of Nature)

nicht gefährdet

Klasse: Säugetiere

Mammalia

Überordnung

Laurasiatheri

Ordnung: Paarhufer

Artiodactyla

Unterordnung: Wiederkäuer

Ruminantia

Familie: Hirschferkel

Tragulidae

Art

Kantschil

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