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Ein Wunder namens Harpyie

Der größte Greifvogel in den Wäldern Amazoniens ist ein von der Natur perfekt konstruierter Räuber.
Text: Redaktion, Fotos: GettyImages / 2 Min. Lesezeit
Terra Mater Ein Wunder namens Harpyie Foto: GettyImages
Das wars: Was die Harpyie einmal in ihren Fängen hat, ist ihr chancenlos ausgeliefert.
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Unbewegt sitzt die Harpyie auf ihrem Ast, späht und lauscht in den Dschungel ringsum. Wenn es sein muss tagelang. Lässt sich ein Brüllaffe blicken, kippt sie vornüber vom Ast, gewinnt mit kräftigen Flügelschlägen an Fahrt und erreicht lautlos ihre Beute. Blitzschnell reckt sie die kräftigsten Fänge der Vogelwelt nach vorn – und packt zu. Krallen, länger als die von Grizzlys, schlagen durch das Fell des Affen, reißen ihn vom Baum, und fast ohne an Geschwindigkeit verloren zu haben, fliegt die Harpyie davon, den sterbenden Affen fest im Griff.

Vielleicht war es der Anblick einer solchen Szene, der europäische Vogelkundler dazu gebracht hat, den Raubvogel nach den Harpyien der griechischen Mythologie zu benennen – vogelähnliche Dämonen mit Frauenköpfen, die Menschen packen und in die Unterwelt verschleppen. Die Wirklichkeit in den tropischen und subtropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas ist nüchterner: Der nächste Stopp des Raubvogels ist sein Horst, wo ein Jungvogel auf Nahrung wartet.

Weibchen sind bei den Harpien um ein Drittel größer als Männchen, sie töten Beutetiere mit einem Gewicht von bis zu neun Kilogramm. Männchen tun sich leichter mit kleinerem, wendigerem Getier. Eine Arbeitsteilung, die sich bewährt: Harpyien bleiben einander – ist die Partnerwahl einmal getroffen – ihr ganzes, bis zu 35 Jahre lang währendes Leben treu.

Besondere Merkmale der Harpyie

Schicker Schopf. Der Vogel kann einen Federkranz am Hinterkopf aufstellen. Das macht er, wenn er aufgeregt oder aufmerksam ist. Im Flug liegen die Federn glatt am Kopf – selbst wenn es spannend wird.

Adleraugen. Die Augen und die Pupillen sind groß und darauf eingerichtet, auch gut getarnte Beute aus großer Entfernung zu entdecken.

Eulenohren. Um die Quelle eines interessant klingenden Geräusches genau zu lokalisieren, richten die Harpyien kleine Federn rings um ihre Ohren auf. Ein Trick, den auch Eulen beherrschen.

Greifwerkzeuge. Das bekannte Naturkundebuch Grzimeks Tierleben nennt die Klauen der Harpyie „derb“. Eine Charakterisierung als „zuverlässig tödlich“ wäre ebenfalls zutreffend. Die Klauen üben auf einen Quadratzentimeter eine Kraft von 42 Kilogramm aus. Kein anderer Vogel hat einen so festen Griff.

Slalom-Schwingen. Die relativ kurzen, aber breiten Flügel sind ideal für die Jagd zwischen Baumkronen und für das Tragen schwerer Beute. Zum entspannten Segeln eignen sie sich weniger.

Langes Leitwerk. Der lange Schwanz dient zum Manövrieren. Das macht die Harpyien so wendig, dass sie sogar fliegende Vögel erbeuten können.

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Übersicht Harpyie – Harpia harpyja

Verbreitungsgebiet

Mittelamerika, Amazonas-Gebiet

IUCN-Status (International Union for Conservation of Nature)

in Richtung gefährdet

Klasse: Vögel

Aves

Ordnung: Greifvögel

Accipitriformes

Familie: Habichtartige

Accipitridae

Gattung

Harpia

Art

Harpyie

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