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Das ungewöhnliche Zeitverständnis der Hunde

Ein japanischer Akita-Hund kam jeden Tag zum Bahnhof, um sein Herrchen abzuholen – auch nach seinem Tod. Artgenossen zeigen sich ähnlich präzise. Woher wissen Hunde, wie spät es ist? Eine Kognitionswissenschaftlerin gibt Antworten.
Text: Katharina Kropshofer und Kurt de Swaaf, Fotos: Birgit Palma und Daniel Triendl / 1 Min. Lesezeit
Illustration, Ball, Hunde, Schuh, Tür Foto: Birgit Palma und Daniel Triendl
Die Hunde erwarten schon ihr Herrchen an der Tür.
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Kognitionswissenschaftlerin Alexandra Horowitz leitet das Dog Cognition Lab an der Columbia University in New York und gilt als eine der renommiertesten Experten für die Erforschung von Hunden und deren Fähigkeiten.

Terra Mater: Über das anscheinend besonders genaue Zeitgefühl von Hunden gibt es viele Geschichten, aber kaum wissenschaftliche Studien. Hat des Menschen treuester Begleiter tatsächlich eine Art innere Uhr?

Alexandra Horowitz: Es gibt allen Grund zu glauben, dass Hunde – und alle Wirbeltiere – einen Sinn für Zeit haben. Der Biorhythmus reagiert auf Tag und Nacht, steuert den Schlaf und weitere Körperfunktionen. Ob Hunde die Zeit so wie wir erfahren, ist allerdings eine andere Frage. Ich denke, ein Großteil unseres Zeitempfindens ist im kulturellen Empfinden des Tagesablaufs verwurzelt. Dieses Verständnis haben Hunde wohl kaum.

Ihres wäre im Geschehen ihrer eigenen Welt verankert: Wie lange dauert das Gassigehen, wie viel Zeit ist seit der letzten Mahlzeit vergangen und so weiter.

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Ihre feinen Nasen können An- und Abwesenheit wahrnehmen – und die Zeiträume dazwischen.

Alexandra Horowitz

Manche Fachleute vermuten, Hunde könnten das Verstreichen der Zeit praktisch riechen. Wie sehen Sie das?

Die Verhaltensforscherinnen Therese Rehn und Linda Keeling beobachteten, dass Hunde ihre Besitzer unterschiedlich begrüßten, nachdem diese unterschiedlich lang weg gewesen waren. Das lässt darauf schließen, dass Hunde spüren, ob sie zwanzig Minuten oder zwei Stunden lang alleine waren. Ich habe dann eingebracht, dass die Tiere dies womöglich über Veränderungen im Raumduft erkennen.

Mit anderen Worten: Je länger wir von einem Ort fort sind, desto weniger riecht er nach uns. Dementsprechend könnten Hunde die Zeit tatsächlich über ihre Nasen wahrnehmen.

Wie läuft dieser Prozess ab?

Gerüche tragen zeitbezogene Informationen. Wenn alles andere gleich bleibt, ist die Stärke eines Duftes davon abhängig, wann seine Quelle anwesend war. Hunde mit ihren unglaublich sensiblen Nasen können sehr geringe Unterschiede in den Konzentrationen eines Dunstes wahrnehmen und wären somit in der Lage, die zeitbezogene Information eines Geruchs zu „lesen“.

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin, September 2021.

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