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Die Vjosa: Wie der Fluss 27 Wasserkraftwerken zu trotzen versucht

Die griechisch-albanische Vjosa ist eines der letzten großen frei fließenden Gewässer Europas. Umweltschützer und Energiekonzerne ringen nun um das einzigartige Naturjuwel.
Text: Andrzej Rybak, Fotos: Philipp Horak / 9 Min. Lesezeit
Vjosa, Fluss, Flussbett, Naturlandschaft Foto: Philipp Horak
Am Oberlauf der Vjosa: Ungezähmt und unverbaut bahnt sich der Fluss seinen Weg von seiner Quelle im griechischen Pindosgebirge durch den Süden Albaniens in Richtung Adria. Kurz vor der Kleinstadt Përmet hat er eine Schotterbank aufgeworfen, die er mit jedem Hochwasser ein wenig umformt.
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Träge wühlt sich die Vjosa durch das viele hundert Meter breite Schotterbett. Immer wieder teilt sich der Fluss in Seitenarme und -ärmchen, die ein feingliedriges Netzwerk aus Kiesinseln, Schlammbänken und Teichen entstehen lassen. Das Wasser, trüb nach den jüngsten Regenfällen, sucht sich immer neue Wege durch die selbst geschaffene Sedimentlandschaft. Es herrscht friedvolle Stille, die nur vom Gesang der Vögel und vom Quaken der Frösche unterbrochen wird.

Die Vjosa ist unser größter Schatz“, sagt Demir Dilaver, der Dorfälteste von Kutë, hier im Süden Albaniens. „Jetzt ist sie zahm, aber im Winter verwandelt sie sich in ein Monster und reißt alles mit, was sich ihr in den Weg stellt.“ Das 1.000-Einwohner-Dorf Kutë liegt deshalb auf einem Hügel, von dem aus man das breite Tal überblicken kann.

An den Hängen wachsen Olivenbäume und Weinstöcke, weiter unten in der Ebene bestellen die Bauern ihre Felder. Mais, Weizen und Luzernegras bringen hohe Ernteerträge ein. „Die Böden sind extrem fruchtbar, und dank der Vjosa haben wir auch immer genug Wasser“, sagt der 70-jährige Dilaver. „Kutë ist das reichste Dorf im ganzen Vjosa-Tal.

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Die Vjosa ist unser größter Schatz

Demir Dilaver, der Dorfälteste von Kutë

Wie lange das so bleibt, ist aber ungewiss. Wenige Kilometer flussabwärts, bei Poçem, will das türkische Unternehmen Ayen Energji den Fluss mit einem 30 Meter hohen und 500 Meter breiten Damm aufstauen, um die Turbinen eines Wasserkraftwerks anzutreiben. Dreizehn Dörfer wären direkt betroffen. „All unsere Felder, rund 2.500 Hektar fruchtbarste Böden, wären dann von dem Stausee überflutet“, klagt Dilaver. „Wir müssten wegziehen, denn ohne Land gibt es hier keine Arbeit.“

Noch wird der Staudamm nicht gebaut. Vor vier Jahren haben die Bauern von Kutë – unterstützt durch Naturschützer von der Umweltorganisation Eco-Albania – gegen das Staudammprojekt geklagt. Eine letztgültige gerichtliche Entscheidung gibt es noch nicht.

Vjosa, Flussverlauf, Landschaft, Wald, Berge Foto: Philipp Horak
Alles im Fluss: Otter, Geier und Aale finden in der Vjosa und an ihren Ufern Schutz und Nahrung.

Die Staustufe bei Poçem ist nicht die einzige Bedrohung für die Freiheit der Vjosa: Insgesamt plant Albanien, den Fluss und seine Zubringer mit 27 Kraftwerken in eine fast lückenlose Kette von Stauseen zu verwandeln. Im Ganzen sind in Albanien 400 neue Wasserkraftwerke in Planung. Damit will Tirana den steigenden Strombedarf im eigenen Land decken und mögliche Überschüsse ins Ausland verkaufen. „Albanien braucht mehr Strom, um wirtschaftlich voranzukommen“, sagt Vize-Energieminister Hantin Bonati als Rechtfertigung.

Doch die Vjosa ist einer der letzten großen wilden Flüsse Europas. Nur ein kleines Querwerk im griechischen Quellgebiet engt sie bislang ein, die restlichen der 272 Flusskilometer ist sie frei von Dämmen und Staumauern. Sie bietet damit Lebensraum für hunderte Pflanzen- und Tierarten, viele davon endemisch oder vom Aussterben bedroht wie der Europäische Aal oder der Schmutzgeier. Als Lebensader Albaniens prägt sie die Landschaft, hat tiefe Schluchten gegraben und bildet ständig neue Schotterbänke.

„Es geht um 15 unterschiedliche Biotope, die in Europa selten geworden sind“, erklärt Sajmir Beqiraj, Professor für Hydrobiologie an der Universität Tirana. „Staustufen würden das einzigartige Ökosystem unwiederbringlich zerstören.“ Die Staudämme würden den Wasser- und Grundwasserhaushalt der Region verändern. Und wenn die Vjosa wegen der vielen Dämme keine Sedimente mehr zur Mündung spült, würden Küstenwälder und Dünengebiete ringsum erodieren und langfristig völlig verschwinden.

Vjosa, Flussbett, Landschaft, Berge Foto: Philipp Horak
Blick in Richtung Tepelenë: Mal ist die Vjosa breit und mäandert in großzügigen Schlingen durch ihr Schotterbett, mal zwängt sie sich durch enge Schluchten. So blau ist das Wasser nur im Sommer. Während des alljährlichen Hochwassers im Frühjahr färbt sich die Vjosa braun.

Die Vjosa entspringt dem griechischen Pindosgebirge und trägt dort auf einer Länge von knapp achtzig Kilometern den griechischen Namen Aoos. Bei Tre-Urat schleicht sie sich beinah unbemerkt über die griechisch-albanische Grenze. Eingeschlossen von steilen, mit dichtem Mischwald bedeckten Bergen, wirkt sie rebellisch und ungeduldig, wie alle Kreaturen, die noch nicht lange auf der Welt sind. Sie kokettiert mit ihrem kristallklaren türkisblauen Wasser, in dem manchmal Otter zu sehen sind. Die Region ist ziemlich abgelegen, nicht einmal Flüchtlinge, die illegal aus Griechenland über Albanien nach Europa gelangen wollen, versuchen hier ihr Glück.

Am Oberlauf der Vjosa sind die Dörfer klein, denn es gibt kaum Land, das sich für Landwirtschaft eignet. Im Schatten der Granitwände des 2.485 Meter hohen Maja e Papingut weiden Schafe und Ziegen, die die Dorfbewohner mit Milch, Käse und Fleisch versorgen. Seit kurzem haben Touristen die Gegend entdeckt.

Sport und Spaß im und um dem Fluss Vjosa

Robert Tabaku betreibt flussaufwärts von Përmet einen Campingplatz und ein Rafting-Zentrum: „Für Liebhaber von Rafting und Kajakfahrten ist die Vjosa ein Paradies.“ In den Bergen wiederum locken 400 Kilometer Wanderrouten und 200 Kilo-meter Radstrecken, Bauernhöfe bieten Quartier an und verleihen Pferde. In der Umgebung gibt es pittoreske Canyons und unerforschte Höhlen, heiße Quellen und alte osmanische Brücken.

Man kann Forellen angeln oder bloß die Sonne auf einem der vielen Flussstrände genießen. „Wir haben viel in den Aufbau dieser Infrastruktur investiert“, sagt Tabaku. All die Mühen wären umsonst gewesen, wenn der Fluss gestaut wird.

Für Liebhaber von Rafting und Kajakfahrten ist die Vjosa ein Paradies.

Robert Tabaku, Campingplatzbetreiber

Was Staustufen anrichten

Das zeigt ein Besuch im Tal des Vjosa-Nebenflusses Lengaricë. Im Sommer führt der Fluss kaum noch Wasser, klagt Anrainer Shandet Ilijas. Viele Bauern haben ihre Felder im Tal aufgegeben, weil das alte Bewässerungssystem nicht mehr funktioniert. Schuld daran ist eine Staustufe im Oberlauf. Der Fischbestand ist eingebrochen, und sogar der markante Geruch der nahen Thermalquellen hat sich verändert. „Früher breitete sich der Schwefelgeruch im ganzen Tal aus“, sagt Ilijas. „Heute riechen wir gar nichts mehr.“ Offensichtlich hat das Wasserkraftwerk den Grundwasserhaushalt der Gegend entscheidend verändert.

„Wenn schon ein kleiner Damm so viele Schäden verursacht, was wird dann passieren, wenn sie die mächtige Vjosa stauen?“, fragt der 53-jährige Ilijas.

„Dazu darf es auf keinen Fall kommen“, schimpft Tërmet Peçi, der Bürgermeister von Tepelenë etwa 60 Kilometer flussabwärts. Peçi begrüßt die Besucher in einem grauen Bau im Stil des Sozialistischen Klassizismus: „Wir sehen die Zukunft von Tepelenë im Tourismus, da haben Staudämme nichts zu suchen.“

Zuletzt hat Peçi der Regierung umgerechnet zehn Millionen US-Dollar abgeknöpft, um die heruntergekommene Festung von Ali-Pascha-Tepelena in Schuss zu bringen. „Unsere Festung ist ein fester Bestandteil unseres Kulturerbes“, strahlt Peçi selbstbewusst, „nach der Rekonstruktion wird sie tausende Touristen anziehen.“

Mann, Flussufer Foto: Philipp Horak
Klodi, Gelegenheitsfischer am Unterlauf: Es geht bei den geplanten Stauwerken gar nicht um Energiegewinnung, meint er. Sondern um Schmiergeld.

Der Bürgermeister, dessen Vorname „Erdbeben“ bedeutet, geht jeden Tag nach der Arbeit in den Kraftraum. So einem stellt man sich nicht gern in den Weg. Acht Wasserkraftwerk-Projekte, die die Regierung mit Investoren aus dem Ausland an Nebenflüssen in seinem Bezirk initiieren wollte, hat er bereits gestoppt. „Ich bin nicht gegen Investitionen aus dem Ausland“, klingt Peçi resolut. „Aber sie dürfen nicht auf Kosten unserer Natur gehen.“

Auch im Dorf Anë Vjosë gehen die Bauern schon seit Jahrzehnten gegen die Staudamm-Pläne vor. „Wir sind auf unseren Eseln schon zwei Mal zu der Nationalstraße SH4 geritten und haben sie blockiert“, bekundet der Bauer Dasho Caushi trotzig. „Die Polizei nahm jedes Mal unsere Anführer fest und ließ sie erst nach zwei Tagen wieder gehen.“ Das dritte Mal, warnten die Ordnungshüter, würden sie nicht mehr so verständnisvoll sein.

Bauer, Traktor, Landschaft Foto: Philipp Horak
Bujar Haxhaj, Bauer bei Kutë: Fruchtbare Böden und Wasser aus der Vjosa sind die Zutaten für den relativen Wohlstand seines Dorfes.

Das kleine Dorf Anë Vjosë zählt ca. 700 Einwohner und liegt flussaufwärts von Kalivaç, wo die Regierung ein weiteres großes Stauwerk plant. Dessen Mauer soll 46 Meter hoch und 445 Meter breit werden. „Die Regierung will eine Entschädigung für unser Land zahlen“, schimpft Caushi. „Doch das Geld würde kaum reichen, um in der Stadt eine Wohnung zu kaufen.“

Die Familie lebt in einem wunderschönen alten Steinhaus, das vor fast 100 Jahren gebaut wurde. An der Wand neben dem Eingang hängt eine Tafel, die an frühere Bewohner erinnert, vor allem an Qazim Hanxhari, einen jungen Partisanen, der 1943 von italienischen Faschisten getötet wurde. Aus dem ersten Stock kann Caushi die Vjosa und die Wiesen überblicken, auf denen Bärwurz und Ginster blühen. Schafe und Ziegen ziehen mit Glockengeläut umher. Ihre Milch verkauft Caushi an lokale Käsereien, das Fleisch an Händler aus Tirana. „Wir lieben unsere rückständige Art zu leben“, sagt der Bauer. „Eins sein mit der Natur – und mit der Vjosa.“

Schäfer, Schafhirte, Schafe, Weide Foto: Philipp Horak
Fatmir Cobo, Schafhirte bei Mifol: Je näher der Fluss dem Meer kommt, desto mehr Weideland gibt es ringsum. Deshalb sind seine Schafe auch so wohlgenährt.

Unterhalb von Anë Vjosë zwängt sich der Fluss zwischen zwei Hügeln hindurch und nimmt dabei Fahrt auf. Die Gegend eignet sich perfekt für eine Kajaktour. Am Ende der Schlucht sehen die Hänge allerdings hässlich vernarbt aus. Die Vegetation ist gerodet worden, der darunterliegende Kalkstein in Stufen geschnitten. Hier soll eine weitere Staustufe entstehen.

Doch auf der Baustelle ist kein Arbeiter zu sehen, kein Hämmern und kein Bohren zu hören. Mehrere Bagger, Betonmischer und Lastwagen rosten vor sich hin, der 57-jährige Maliq bewacht als Einziger den Fuhrpark. „Früher war es sehr schön hier“, sagt er. „Als Kind kam ich hierher, um im Fluss zu baden. Aber vor ungefähr zehn Jahren haben sie all die alten Bäume gefällt und zu baggern begonnen.“ Doch dann wurden die italienischen Investoren hinter dem Projekt wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung angeklagt. Nun versucht ein türkisch-albanisches Konsortium, das Projekt doch noch zu Ende zu bringen.

Im jährlichen Korruptionsindex belegt Albanien den 106. Rang von 180 Ländern.

„Mit diesen Staumauern würden wir ein einzigartiges Ökosystem zerstören, die Bauern würden ihre Äcker verlieren“, schimpft Olsi-Nika, der Direktor von Eco-Albania. „Und wofür? Für gar nichts!“ Nika weiß, dass Albanien Strom braucht. Doch der sollte besser durch Wind- und Sonnenkraftwerke gewonnen werden. Allein die Sanierung des Stromnetzes würde helfen: Derzeit geht fast ein Drittel des produzierten Stromes bei der Übertragung verloren.

Eco-Albania will die Vjosa von der Quelle bis zur Mündung zum ersten Wildfluss-Nationalpark Europas machen. „Stauwerke haben wir zigtausende in Europa“, sagt der 36-jährige Biologe Nika, „aber so etwas wie die Vjosa, das gibt es nur einmal!“

Einwohner, Mann, Frau, Landschaft, Vjosa Foto: Philipp Horak
Ehepaar Skanderaj, Hausbesitzer bei Poçem. Von ihrer Terrasse aus können sie abschätzen, wie eine Staustufe ihre Heimat verändern würde.

Bis jetzt ist aber nichts passiert. Die offizielle Umweltverträglichkeitsprüfung für Kalivaç wurde im Februar 2020 von fast 800 Wissenschaftlern aus 46 Ländern als höchst mangelhaft kritisiert. Die Experten appellierten an die Regierung in Tirana, die Wiederaufnahme der Arbeiten zu verhindern. „Das Stauwerk wird wohl nicht mehr gebaut“, sagt der Wächter Maliq. „Ist auch egal – die Menschen hier hätten sowieso nicht viel davon.“

Der Mann hat recht, denn die albanische Regierung gewährt Wasserkraft-Investoren großzügige Konditionen. Im Fall von Kalivaç sollen die Betreiber 35 Jahre lang den Strom zu festgelegten Preisen an den Staat verkaufen. Erst danach fällt das Kraftwerk an den albanischen Staat. Bis dahin wäre der Stausee allerdings zu 80 Prozent mit Sediment aufgefüllt, das haben Forscher der Wiener Universität für Bodenkultur errechnet.

Bürgermeister, Büro, Mann Foto: Philipp Horak
Tërmet Peçi, Bürgermeister von Tepelenë. Der energische Politiker hat schon acht Staudamm-Projekte in seinem Bezirk zu Fall gebracht.

Albanien ist reich an landschaftlicher Schönheit und Kulturschätzen, doch wirtschaftlich ist das Land 30 Jahre nach der Wende immer noch arm. Das wird in der illyrischen Ruinenstadt Byllis deutlich. Byllis liegt auf einem 600 Meter hohen Hügel, von dem man Poçem und das ganze untere Tal der Vjosa bis zum Meer überblickt. Die 2.500 Jahre alten Ruinen sind berühmt für die Überreste ihrer fünf frühchristlichen Basiliken, deren Böden mit zart gearbeiteten Mosaiken geschmückt sind.

Kurz nach der Entdeckung mussten die Kunstwerke aber wieder mit Sand zugeschüttet werden: Es fehlt das Geld, um sie fachmännisch vor Regen und Sonne zu schützen.

Angesichts solcher Tatsachen macht sich Resignation breit. Der Regierung traut niemand über den Weg. „Ach, die Dämme!“, seufzt Klodi, der zusammen mit Freunden die Fischfallen bei Mifol leert. „Die Regierung lässt sie bauen, um bei der Auftragsvergabe Schmiergeld zu kassieren. In Albanien kannst du eine Konzession für alles kaufen.“ Transparency International stimmt dieser Einschätzung zu: Im jährlichen Korruptionsindex belegt Albanien den 106. Rang von 180 Ländern.

Die Regierung lässt sie bauen, um bei der Auftragsvergabe Schmiergeld zu kassieren.

Klodi hat mächtige Oberarme, auf denen er sich einen Samurai und eine Geisha tätowieren hat lassen. Das Fischen an der Vjosa ist für ihn nur ein Zeitvertreib während der Corona-Pandemie. Sonst arbeitet er in Italien – was er dort macht, will er aber nicht sagen. Vor ein paar Jahren war die Gegend um Mifol berüchtigt für ihre Marihuana-Pflanzungen. Vor allem junge Leute bauten auf versteckten Feldern Cannabis an. Die Polizei kassierte Provision – und schaute weg. Erst nach 2016 griff die Regierung stärker durch.

Auf ihren letzten Kilometern mäandert die Vjosa durch flaches Land, das von Feldern und Bewässerungskanälen geprägt ist. Kurz vor der Mündung schuf der Fluss ein ausgedehntes Feuchtgebiet mit Lagunen und Brackwasserseen, die ein wichtiger Rast- und Brutplatz für Zug- und Wasservögel sind. Rund um die große Narta-Lagune leben nach Schätzungen von Ornithologen an die 70.000 Vögel, darunter Flamingos, Reiher und Pelikane.

Fluss, Blick von oben, Vjosa, Landschaft Foto: Philipp Horak
Traumhafter Ausblick auf die Flusslandschaft der Vjosa.

„Der ganze Küstenstreifen wäre durch die Stauung der Vjosa bedroht“, sagt Aleko Miho, Biologieprofessor an der Universität von Tirana. „Millionen Tonnen an Steinen und Sand, die die Vjosa jeden Winter zuverlässig in die Adria spült, würden an der Mündung fehlen.“ Die Folge wäre eine schnelle Erosion der Strände.

Im Kampf gegen die geplanten Staudämme hofft der Biologe auf Unterstützung der Europäischen Union. Schon vor der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen sollte die EU-Kommission von der albanischen Regierung fordern, besonders wertvolle Regionen wie den Lauf der Vjosa als Schutzgebiet auszuweisen, sagt Miho. „Der Fluss ist wichtig für uns alle: Die Vjosa könnte als Vorbild für Renaturierungsprojekte in Europa dienen, wo man oft vergessen hat, wie wilde Flüsse funktionieren.“

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin, Herbst 2021.

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