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Aufforstung in Costa Rica: Keime der Hoffnung

Mit tausenden Setzlingen gelingt Biologen in Costa Rica, was lange als unmöglich galt: Sie erschaffen auf öden Kuhweiden neuen, artenreichen Regenwald. Ein Rundgang durch ein Paradies gemacht aus Menschenhand.
Text: Kurt de Swaaf, Fotos: Cyril Ruoso / 10 Min. Lesezeit
Costa Rica Aufforstung Regenwald Foto: Cyril Ruoso
Qualitätskontrolle: Unter seiner Lupe erkennt Biologe Anton Weissenhofer, wie gesund diese Jungpflanze ist. Dann entscheidet der Österreicher, ob der Setzling einen Beitrag zu seinem Regenwald-Projekt leisten kann.
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Dieser erstaunliche Duft, das ist die erste Überraschung. Der schmale Pfad gleicht einer Schlammrutsche, am Waldboden ringsum liegt matschiges Laub – doch es riecht nicht im Geringsten modrig. Stattdessen streichelt ein Bouquet aus frischen, würzigen Aromen die Nase. Woher kommen die bloß? Die Haut meldet derweil nicht ganz so angenehme Sinnesreize. Tropische Hitze und maximale Luftfeuchtigkeit treiben den Schweiß aus allen Poren. Die Körperausdünstungen locken hungrige Bremsen an.

Den Biologen Anton Weissenhofer und sein Team scheint all das nicht weiter zu stören. Die Männer vermessen sorgfältig den Weg, der an manchen Stellen gar keiner mehr ist. Diese Route soll wieder besser begehbar werden, ein Zugang für Wanderer und Wissenschaftler, erklärt Weissenhofer. Er selbst kommt schon jetzt wunderbar zurecht. Der Regenwald ist dem 51-jährigen Österreicher so vertraut wie anderen der heimische Garten. Oder noch besser.

Dass der tropische Regenwald keine „grüne Hölle“ ist, sondern eine – wenn auch etwas eigenwillige – Mischung aus Paradiesgarten und Schatzkammer, lässt sich hier, im Südwesten Costa Ricas, besonders gut erfahren. Die Evolution zeigt ihr ganzes Können, alle paar Schritte begegnet dem Besucher ein weiteres Wunder.

Am Fuß des Hanges angekommen, deutet Weissenhofer auf ein kleines, eher unscheinbar wirkendes Bäumchen. „Clavija costaricana“, sagt er. Das Gehölz ist ein sogenannter Laubfänger: In der trichterförmigen Krone liegen tote Blätter in verschiedenen Zerfallsstadien; Clavija produziert aus dem Gefangenen ihren eigenen Kompost.

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Costa Rica Wiederaufforstung Regenwald Foto: Cyril Ruoso
Bilderbuch-Dschungel. So sieht ein intakter, unberührter Regenwald aus. Heute gepflanzte Setzlinge liefern den Anstoß für die Wiederkehr dieser Vielfalt. Den Rest erledigen Zeit und Natur.

Am Fuß des Hanges angekommen, deutet Weissenhofer auf ein kleines, eher unscheinbar wirkendes Bäumchen. „Clavija costaricana“, sagt er. Das Gehölz ist ein sogenannter Laubfänger: In der trichterförmigen Krone liegen tote Blätter in verschiedenen Zerfallsstadien; Clavija produziert aus dem Gefangenen ihren eigenen Kompost.

Es gibt mehrere Spezies, die sich desselben Tricks bedienen, erklärt der Experte. Bei einigen rieselt der fertige Naturdünger zu Boden, bei anderen bleibt er als dicke Auflage in den Zweigen hängen. Von den Ästen aus wachsen spezielle Wurzeln in diese Nährstoffdepots. Manche Vogelarten nutzen die Kompost-Plateaus als Nistplatz. Im Regenwald gilt: Jede Nische wird besiedelt.

SCHUTZ UND HILFE

Weissenhofer arbeitet seit mehr als 25 Jahren in dieser Region, und seine Begeisterung für Land, Leute und Ökosysteme hält unvermindert an.1993 gründete er zusammen mit seinem Kollegen Werner Huber die Tropenstation La Gamba, eine Forschungseinrichtung der Universität Wien. Das Motiv dahinter: Hier können Gelehrte und Studenten die Wunder des Regenwaldes erforschen. Dabei ist die bloße Beschreibung des komplexen Ökosystems nicht das einzige Ziel der Wissenschaftler. Weissenhofer und Huber wollen den Wald wieder wachsen sehen. Und zwar dort, wo er schon einmal bestanden hatte, bevor er von Ackerbauern und Viehzüchtern abgeholzt wurde.

Die Botaniker helfen bei dieser Rückeroberung der Landschaft und setzen systematisch neue Pflanzen auf die alten Weiden. Ohne diesen Anstoß würden schnell wachsende Bodendecker die Flächen erobern.

Der Regenwald in Costa Rica ist einer der artenreichsten weltweit. Trotzdem wurde er lange Zeit bedenkenlos abgeholzt, um Platz zu schaffen für Weiden und Äcker.

Doch Costa Rica hat umgedacht: Rund 30 Prozent des Landes stehen inzwischen unter Naturschutz

Quadratmeter für Quadratmeter schaffen die Biologen so eine neue Wildnis aus Menschenhand. Auf lange Sicht wollen sie bestehende Dschungelinseln mit neuen Waldstreifen vernetzen. Durch diese Korridore können sich Pflanzen und Tiere freier ausbreiten und den Dschungel dadurch vitaler machen. Erste Resultate dieser Regenwald-Renaissance sind bereits sichtbar.

La Gamba liegt am Rand des 15.900 Hektar großen Nationalparks Piedras Blancas in der Provinz Puntarenas. Das Areal grenzt direkt ans Meer, an den Golfo Dulce, Buckelhügel und Bachtäler prägen die Landschaft. Ein Teil der Parkfläche wurde vom Verein „Regenwald der Österreicher“ von privater Hand aufgekauft und Costa Ricas Umweltministerium (Ministerio de Ambiente y Energía – MINAE) übergeben. 362 Vogelarten sind in Piedras Blancas heimisch, ebenso Pumas und Jaguare, vier Affenspezies ,Tapire, Faultiere sowie ganze Heerscharen von Insekten, Fröschen und Reptilien. Die Anzahl der hier vorkommenden Pflanzenarten wird auf etwa 3.000 geschätzt. Ein Hort der Biodiversität.

Was im Regenwald alles lebt

Effektiver Naturschutz kann jedoch nicht aus Insellösungen bestehen, zumindest nicht auf Dauer. Denn: Isoliert lebenden Tierbeständen droht genetische Verarmung. Ohne Austausch mit Artgenossen kommt es schnell zur Inzucht. Die wiederum schwächt die einzelnen Individuen, zum Beispiel durch Immundefekte. Greift nun eine Krankheit um sich, kann eine Population in kürzester Zeit komplett erlöschen.

Vergleichbare Effekte treten auch bei Pflanzen auf. Die schädlichen Auswirkungen der Isolation lassen sich letztlich nur über ausreichende Kontakte vermeiden. Dazu braucht es Verbindungswege wie Waldstreifen oder Flüsse mit natürlicher Ufervegetation und wilde Flecken, die als Rastplätze dienen können.

Diese Vernetzung kann in Costa Rica besonders wirksam sein. Hier steht zwar ein Viertel der Landesfläche unter Schutz, aber zwischen diesen Gebieten klaffen weitläufige Lücken. Um etwa von Piedras Blancas zu Artgenossen im großen Nationalpark La Amistad im zentralen Hochgebirge zu gelangen, müsste ein Ozelot eine Strecke von 40 Kilometern zurücklegen, quer durch Kaffeeplantagen und Viehweiden.

Auch zum Corcovado-Nationalpark auf der benachbarten Halbinsel Osa fehlen Naturpfade. Im vergangenen Dezember hat die Regierung in Costa Rica ein Projekt beschlossen, das diese Lücken schliessen soll. Alles in allem soll so ein über 80 Kilometer langer grüner Korridor entstehen, ein Highway für Fauna und Flora. Die Tropenstation ist in diesem Netzwerk für jenen Abschnitt zuständig, der von La Gamba zum zehn Kilometer entfernten Gebirgszug Fila Cal führt.

Wir arbeiten gegen das Gras.

Dr. Anton Weissenhofer, Biologe, über den Hauptfeind der Wiederaufforstung

Rund 55 Hektar wurden hier bereits neu begrünt. Man betreibe dabei keine klassische Wiederaufforstung, erklärt Weissenhofer; es geht also nicht darum, möglichst rasch viele Bäume wachsen zusehen. Stattdessen versucht man, ein lebendiges, komplexes, verknüpftes Ökosystem zu rekonstruieren, eine Wildnis, die sich wieder in ihrer gesamten Dynamik entfalten soll.

Fachleute hielten das lange für unmöglich. Das ökologische Gefüge tropischer Regenwälder schien für einen Neustart zu komplex. Viele Arten existieren nur in Verbänden. Verschwindet eine, verlieren gleich mehrere ihre Lebensgrundlage.

Eine dieser Schicksalsgemeinschaften lässt sich während der Wegvermessung bestaunen. Unten beim Bach steht ein hüfthoher Jungbaum. Rings um das dünne Stämmchen wirkt der Waldboden wie leergefegt. „Das machen die Ameisen“, erklärt Anton Weissenhofer. Das Bäumchen ist eine Stierhorn-Akazie, den Namen trägt sie wegen ihrer brauen, hornförmigen Nebenblätter. Die sind hohl und bieten ideale Bleiben für Ameisen. Damit die Insekten bei Kräften bleiben, bildet die Pflanze eigens kleine Proteinkügelchen – Power-food für die Sechsbeiner. Im Gegenzug halten die Ameisen Schädlinge fern und beseitigen auch Mitbewerber im Wettlauf um Sonnenlicht: Ringsum die Akazie keimt kein einziger Samen.

„Weiter vorne wachsen ganz andere Arten“, kündigt Weissenhofer an und stapft voran. Knapp 100 Meter höher, auf dem Hügelkamm, überragt ein majestätischer Purpurholzbaum alle anderen Baumkronen. Noch interessanter ist allerdings eine winzige weiße Blüte. Man könnte sie leicht übersehen, dort unten im Laubstreu. Der Botaniker lächelt begeistert. Das Besondere an der Voyria,einer Verwandten der Enziane: Sie besitzt kein Chlorophyll. Voyria betreibt keine Photosynthese und kann somit auch keine Kohlenhydrate produzieren. Die holt sie sich unterirdisch bei Pilzen, als klassischer Parasit. Nur zum Blühen muss die Schmarotzerin noch ans Tageslicht.

Während die Truppe weiterzieht, flattert das nächste Kleinod herbei. Weissenhofer setzt wieder zum Kurzvortrag an. Der Schmetterling gehöre zur Gattung Heliconius: „Er ist auf Passionsblumen spezialisiert.“ Seine Raupen fressen deren extrem giftige Blätter. Das Gift reichert sich im Körper der Larven an und bleibt auch im Falterstadium erhalten. Fressfeinde wie Vögel oder Eidechsen meiden Heliconius deshalb wie die Pest.

KONKURRENZ UND KOOPERATION

Die Arbeitstour gerät immer mehr zur Biologie-Exkursion. Weissensteiner präsentiert Blüten, die dick bemalten Frauenlippen ähneln, eine bunt gebänderte Schlange, Pilze mit hauchfeinen Stielen. Weil diese antibakterielle Substanzen enthalten, kleiden Vögel ihre Nester mit den filigranen Stängelchen aus. Vielfalt in Funktion und Form kennt im Dschungel keine Grenzen. Wie aber kann es gelingen, ein derartiges Wunder – einmal zerstört – wieder aufzubauen? Entscheidend sei immer das genaue Wissen über die jeweils vorherrschenden ökologischen Bedingungen, erklärt Anton Weissenhofer. Die Sonneneinstrahlung spiele eine wesentliche Rolle, ebenso der pH-Wert des Bodens. „Das Wichtigste jedoch ist das Wasser.“

Costa Rica Wiederaufforstung des Regenwaldes Foto: Cyril Ruoso
Duftexperte an Orchidee: Diese männliche Biene der Art Euglossa imperialis sammelt keinen Pollen, sondern Duftstoffe. Aus über 60 davon mischt der Drohn sein spezifisches Parfum zusammen – als Lockmittel für weibliche Bienen.

Feuchtgebiete beherbergen andere Vegetationen als trockene Lagen. Sind Parameter wie diese erst einmal bekannt, geht es an die Auswahl der passenden Baumarten. Weissenhofer und seine Kollegen haben praktisch die gesamte Flora der Golfo-Dulce-Region erfasst – zumindest was die Gehölze betrifft. Ungefähr 600 verschiedene Baumspezies kommen hier vor, immerhin 100 davon verwenden die Experten von der Tropenstation für ihre Pflanzungen. Dabei ist gutes Saatgut schwer zu bekommen. Also holt das Team viele der Samen, Keimlinge oder vermehrbaren Zweige unmittelbar aus dem Urwald.

Auf der Finca Amable zeigt sich der Lohn der Mühen: Die zwölf Hektar große Farm am Rio Bonito, eine knappe Fahrrad-Viertelstunde von der Station entfernt, war vor Jahrzehnten eine Bananenplantage, dann bauten die Landwirte Reis an. Später grasten hier die Kühe. Zuletzt war der Boden komplett vernässt, beschreibt Anton Weissenhofer. 2012 konnten er und seine Mitstreiter die Farm mit Spendengeldern freikaufen: „Zunächst mussten wir Gräben ziehen, um das Areal zu entwässern.“ Von der natürlichen Samenbank, die normalerweise im Erdreich schlummert und für die Rückkehr des Regenwaldes sorgen könnte, war keine Spur mehr zu entdecken.

Jede Nische im Ökosystem ist besetzt, jedes Tier hat seine eigene Methode, die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen.

Das System Dschungel ist mehr als die Summe seiner Teile

Also gingen die Botaniker aufs Ganze. Sie setzten ihr komplettes Artensortiment ein, ins-gesamt 11.500 Bäumchen. Schon heute wirkt das Terrain eher wie ein verwunschener Park. Das Auge fällt auf einen kräftigen, rund 20 Meter hohen Baum mit weit verzweigten Ästen. Ein Überlebender früherer Zeiten? Keinesfalls, antwortet Weissenhofer. Das stolze Gewächs ist eine Ingaoer stediana, eine besonders schnellwüchsige Spezies, und sie ist, wie die umstehenden Pflanzen auch, gerade erst fünf Jahre alt. Das Geheimnisihrer enormen Wuchskraft steckt unter der Erde. An ihren Wurzeln gedeihen ganze Kolonien aus spezialisierten Bakterien, die Stickstoff aus der Luft in organischer Form binden. Die Pflanzen werden dadurch bestens gedüngt.

Auch Birgit Eibl ist stets wieder überrascht. Die Meteorologin, die das Klima der Region untersucht, kommt regelmäßig nach La Gamba. 2014 war auch sie an den Pflanzungen auf der Finca Amable beteiligt: „Damals war das eine große Wiese.“ Nur zwei Jahre später standen die von ihr gesetzten Bäumchen schon vier, fünf Meter hoch.

Nicht alle Arten neigen zu derartigem Turbowuchs. Manche haben ihre Nische im Unterholz und bleiben niedrig, wieder andere gedeihen zuerst nur langsam, bis plötzlich eine Lücke im Blätterdach der Nachbarn entsteht und ihnen Raum gibt. Auch auf dieser Renaturierungsfläche sterben bereits Bäume, wie Anton Weissenhofer erläutert. Ein Schaden sei das nicht, im Gegenteil. Kurzlebige Pioniere wie Balsa liefern ökologisch wertvolles Totholz – Lebensgrundlage für Pilze, Käfer und zahlreiche weitere Organismen. Schon sorgen die ersten Spechte für artgemäßen Lärm. Andere Vögel bringen mit ihrem Kot die Samen weiterer Pflanzen ein. „Die Pflanzung ist von vorn bis hinten durchdacht“, schwärmt Birgit Eibl – das Grundgerüst des Regenwalds stammt vom Reißbrett, die Details ergänzt die Natur.

DIE TIERE KEHREN ZURÜCK

Den Botanikern zufolge dürfte es rund 100 Jahre dauern, bis hier wieder ein ursprünglich wirkender Urwald wuchert. Doch schon jetzt dient die wachsende Wildnis als Refugium und Korridor. Beim Rundgang durch die Finca Amable stoßen Besucher mehrfach auf die Klauenspuren von Pekaris. Diese Wildschweine sind ideale Beutetiere für Jaguare und Pumas. In einer Wiederbewaldungsfläche auf der gegenüberliegenden Talseite wurde wenige Tage zuvor eine Jaguarundi, eine mittelgroße Raubkatzenspezies, beobachtet.

Am Ende wächst wieder Regenwald

Sieben Kilometer nordöstlich von La Gamba, in rund 380 Meter Seehöhe, liegt die Finca Alexis. Hier sind die Pflanzungen noch in vollem Gange. Wucherndes Dickicht aus Gras, Farnen und Winden überzieht das Gelände, dazwischenstehen Büsche und kleine, ältere Baumgruppen. Ebenfalls keine Überreste der einstigen Urwaldvegetation, betont Anton Weissenhofer. Nützlich seien sie dennoch. Sie verbessern das Mikroklima und somit die Startbedingungen für den neuen Wald: „Wir müssen hier oben nur Teilstücke bepflanzen.“ Die Natur selbst würde für weiteren Nachwuchs sorgen; auch, weil hier die Samenbank im Boden noch vorhanden sei.

Während Weissenhofer noch redet, verteilen die Arbeiter dutzendweise Setzlinge von 40 verschiedenen Arten. Nun geht’s ans Werk. Weissenhofer und Eibl greifen ebenfalls zum Spaten. Die speckig glänzende Erde ist schwer und tonig. Für jedes der Bäumchen heben sie ein knapp halbmetertiefes Loch aus. Die Prozedur ist Routine: Wurzelballen rein, einen Liter Kompost, eine Schaufel Kalk gegen den sauren Boden, alles wieder zu und auf zum nächsten Bäumchen. Die Hitze macht die Arbeit zum körperlichen Stresstest. Schon nach einer halben Stunde scheint einem die Haut zu schmelzen. Gut, dass an diesem Tag wenigstens die Sonne nicht scheint.

NEUN VON ZEHN KOMMEN DURCH

Drei Jahre lang muss der Baumnachwuchs regelmäßig freigeschnitten werden, erklärt Weissenhofer: „Wir arbeiten gegen das Gras.“ Auch Blattschneiderameisen machen immer wieder Probleme. Trotzdem beträgt die Ausfallrate unter den Setzlingen nur zehn bis fünfzehn Prozent. Sobald die ersten Neugepflanzten ausreichend Schatten zu werfen beginnen, ist der Kampf gewonnen. Der Lichtmangel unter den Bäumen lässt Gras und Farne verkümmern, der junge Wald übernimmt das Regime.

Costa Rica Aufforstung des Regenwaldes Foto: Cyril Ruoso
Erotische Einladung. Diese Blume heißt in der Region „Labios de mujer“, was so viel be­deutet wie Lippen einer Frau. Die Pflanzen­gattung umfasst rund 1.830 Arten.

Bis es so weit ist, sagt Weissenhofer, kostet jedes Bäumchen im Schnitt 18 Euro, Pflegemaßnahmen inklusive. Auch Nutzen inklusive: Die lokale Bevölkerung profitiert von den entstehen-den Arbeitsplätzen. Und die neue Bewaldung wirkt gegen Erosion, Erdrutsche und Hochwässer – all das macht die Region widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels.

Gegen Abend schickt der Pazifik schwarz-graue Wolkenmassen übers Land. Im Garten der Tropenstation und dem angrenzenden Wald herrscht abwartende Ruhe. Ein Aguti huscht durchs Unterholz, in den Baumkronen ruft ein Tukan, dessen Ansagen allerdings jäh von zwei Donnersalven unterbrochen werden. Dann öffnet der Himmel seine Schleusen.

Der Regen fällt dicht wie eine Decke vom Himmel, hüllt alles und jeden förmlich ein. Derweil bricht die Nacht herein. Die Dunkelheit erweckt den Dschungel, bald vibriert der ganze Wald vor Leben. Dann hört der Regen so unvermittelt auf, wie er begonnen hat. Jetzt erheben tausende Frösche ihre Stimmen. Ihr Choral, Millionen Jahre alt, kündet von ständiger Erneuerung.

Diese Geschichte erschien erstmals im Terra Mater Magazin 5/2019.

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