Eine Minute zum Thema Sumo

Der japanische Nationalsport Sumo und seine Regeln, Rituale und Rangordnung.
Text: Manfred Sax, Fotos: Palani Mohan / 2 Min. Lesezeit
Sumo Regeln Tradition Foto: Palani Mohan
Jetzt geht's gleich los: Wenn alle vier Fäuste den Boden berühren, beginnt der Kampf der Kolosse.

Die Regeln

Sumokämpfe finden in einem Ring, dem Dohyo, statt. Dessen Grenzen sind von einem aus Reisstroh geflochtenen Seil definiert. Gewinner eines Kampfes ist jener Ringer (Rikishi), der seinen Gegner aus dem Ring zwingt beziehungsweise ihn dazu bringt, den Ringboden mit einem anderen Körperteil als den Sohlen seiner Füße zu berühren. Wer eine illegale Technik (Kinjite) anwendet, verliert automatisch, ebenso jeder Ringer, dessen Bauchgürtel (Mawashi) sich vom Körper löst. Die Hände der Ringer dürfen nie zu einer Faust geballt werden.

Ein Sumokampf besteht aus einer einzigen Runde. Er beginnt mit dem Tachi-ai, dem gleichzeitigen Aufspringen der Kontrahenten, nachdem deren beide Fäuste den Boden berührt haben. Ein Schiedsrichter (Gyoji, ein ehrenamtlicher Shinto-Priester) überwacht den Kampf; unklare Entscheidungen werden nach Beratung mit vier außerhalb des Ringes positionierten Ringrichtern geklärt.

Die Rituale

Vor den Kämpfen hat jeder Ringer eine Reihe von rituellen Handlungen zu absolvieren. Deren Sinn ist es, die Aufmerksamkeit der Götter zu erregen, dem Gegner Fairness und Präsenz zu signalisieren und die Kampfstätte zu reinigen. Am Anfang steht die Ringzeremonie Dohyo-iri, die von den Ringern der zwei obersten Divisionen als Gruppe absolviert wird. Sie marschieren in den Ring, stellen sich im Kreis auf und werden den Zuschauern vorgestellt. Sie klatschen einmal in die Hände – für die Götter –, öffnen ihre Zeremonienschürzen (Kesho-Mawashi), breiten ihre Arme aus und präsentieren ihre Handflächen. Damit wird dem Gegner gezeigt, dass keine Waffen im Spiel sind – eine Tradition, die noch aus der Zeit der Samurai stammt.

Mit Beginn des eigentlichen Wettbewerbs treten die Duellanten nach Aufruf in den Ring und verbringen mehrere Minuten damit, ein Bein zu heben und in die Erde zu rammen – das vertreibt Dämonen. Sie werfen einige Handvoll Salz in den Ring, um die Kampfstätte zu reinigen. Und sie verwenden jede Sekunde dieser Zeit, um den Gegner anzustarren – ein Psychokrieg, der beim japanischen Publikum großartig ankommt. Schließlich treten sie einander zum Tachi-ai gegenüber.

Die Hierarchie der Ringer

Professionelles Sumo kennt sechs Divisionen. Ein Ringer (Rikishi) beginnt ganz unten. Schafft er den Sprung in die obersten zwei Ligen – Makuuchi und Juryo – darf er sich Sekitori nennen.

Die oberste Liga ist hierarchisch komplex gegliedert. Die Mehrheit der Ringer steht im Rang eines Maegashira, und das von 1 (oben) bis 16 (unten) durchnummeriert. Diese Bewertung ändert sich mit jedem Turnier, je nach den Erfolgen des Ringers. Über den Maegashira stehen die – nicht mehr nummerierten – Meisterränge: Juniorenmeister (Sekiwake), Meister (Ozeki) und Großmeister (Yokozuna). Der Weg zu diesen Titeln führt über Turniersiege. Allerdings können Sekiwake und Ozeki jederzeit wieder degradiert werden, sofern die Erfolge ausbleiben.

Zum Yokozuna bringen es nur Ozeki nach zwei Turniersiegen hintereinander, eine immens schwierige Vorgabe. Ein Yokozuna kann nicht mehr degradiert werden, steht aber dennoch unter gewaltigem Leistungsdruck. Er muss in jedem Turnier – das sich über 15 Kämpfe pro Ringer erstreckt – eine hervorragende Leistung zeigen; zumindest 11 Siege sind Pflicht. Sonst wird ihm nahegelegt, sich vom aktiven Sport zurückzuziehen.

Lukrativ ist die Sache jedenfalls: Ein Yokozuna bezieht, von Werbeeinnahmen abgesehen, ein monatliches Gehalt von 22.000 Euro aufwärts, Ozeki verdienen um knapp 4.000 Euro weniger. Ein Ringer der obersten Liga ohne Rang kommt immer noch auf 7.000 Euro. Der größte Teil der mehr als 600 registrierten Athleten lebt jedoch von einem Taschengeld.

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