Eine Minute zum Thema Flamenco

Wer sich einfach in Tanz, Musik und Gesang verliert, kommt dem Geheimnis des Flamenco schon sehr nahe. Mit ein wenig Vorwissen funktioniert es noch besser.
Text: David López Canales, Fotos: Susana Giron / 3 Min. Lesezeit
Flamenco Das kleine ABC Foto: Susana Giron
Flamenco vermengt Musik und Tanz, Instrumente und Stimme, Tradition und Improvisation. Wer nicht in ihm geboren wurde, hat nur eine Chance ihm näher zu kommen: als Liebhaber.

Die Geschichte

Die Wurzeln des Flamencos als ursprüngliche andalusische Kunstform des Tanzes und der Musik reichen mindestens bis ins 18.Jahrhundert zurück. Sie sind das Ergebnis des Zusammenlebens unterschiedlichster Kulturen – Roma, Christen, Muslime und Juden – auf der Iberischen Halbinsel. Der Flamenco enthält maurische und indische Einflüsse, die von den Gitanos auf ihrer Wanderschaft aus Asien mitgebracht wurden, ebenso afrikanische und neuspanische von jenseits des Atlantiks. 

Die Stile

Es gibt rund 50 Stilarten, Palos. Die häufigsten sechs in Konzerten und Shows gezeigten sind: Soleá, Bulería, Alegría, Tango, Seguiriya und Fandango. Jeder Palo hat eine andere geografische Herkunft und Entwicklung. Die für Granada typische Zambra etwa geht auf maurische Tänze zurück, Tango hat seinen Ursprung in der Karibik, und die Martinete entstand in Schmieden zum Rhythmus der Hammerschläge. Einige Palos sind eine Fortentwicklung anderer Stile: Die Bulería, eine festliche Palo, hat als beschleunigte Version der Soleá den gleichen Takt und die gleiche Tonalität.

Das Rückgrat

Drei Elemente drücken Reichtum und Komplexität des Flamencos aus: Gesang, die Tonart der Gitarre und die rhythmische Prägung, der Compás, als Schlüssel zum Flamenco. Der Takt als inneres Skelett, dem Sänger, Gitarristen, Tänzer und Perkussionisten folgen, ist als Grundlage für die Einzigartigkeit schwierig zu durchschauen, ist man in keine der Flamenco-Familien geboren: Im Flamenco verändert sich alles von einem Moment zum anderen. Jeder Palo hat seinen eigenen Code, der entschlüsselt, was man sieht und hört.

Im Flamenco gibt es Palos mit freiem Compás, wie Taranta, Taranto, Fandango natural oder Minera: Hier gibt der Gesang die Melodie vor, aber ohne metrisches Grundmuster. Der Gitarrist folgt dem Cantaor und passt sich ihm an.

Dazu gibt es Palos im 3/4-Takt, wobei besonders beim Spielen und Tanzen der erste Schlag betont wird, etwa bei Fandango aus Huelva oder Sevilla. Bei Palos im 4/4-Takt – etwa Tango und Rumba – werden erster und dritter Schlag betont.

Kompliziert wird es mit dem schwierigsten und einzigartigen Compás des Flamencos, dem12/8-Takt der Soleá, Bulería und Alegría. Dort ändert sich das gesamte Muster, denn es handelt sich nicht um einen Takt, sondern um eine Zusammenfassung, um eine Struktur von zwölf Schlägen zu errichten. Die Betonung dieses Taktes erfolgt am dritten, sechsten, achten, zehnten und zwölften Schlag – und auch Unwissenden reicht hören, um zu verstehen.

Gesang, Gitarre und Tanz

Der Gesang, Cante, ist der Ursprung des Flamenco und war sein erstes Element. Das Gitarrenspiel und der Tanz, Guitarra und Baile, entstanden im 19.Jahrhundert, um den Gesang zu begleiten, und entwickelten sich von da an selbständig weiter. Die Gitarre bestimmt die harmonische Struktur und Tonalität jedes Palo. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierte sie sich dank Künstlern wie Paco de Lucía als eigenständiges Konzertinstrument ohne die Notwendigkeit eines Cantaor. Das Gleiche geschah mit dem Tanz. Heute gibt es zwei Arten von Gesang: den cante de adelante, bei dem der Sänger, von einer Gitarre begleitet, im Mittelpunkt steht, und den cante deatrás, bei dem sich der Cantaor im hinteren Teil der Bühne befindet und den Tanz des Bailaor im vorderen Teil begleitet.

Die Bühnen

Die Tablaos, die in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts entstanden, waren die ersten Orte, wo Flamenco-Künstler professionell auftraten. Viele dieser mittelgroßen Lokale mit einer von Tischen umgebenen Bühne existieren heute noch und sind in Spanien touristische Attraktionen. In Granada werden die Bühnen Zambras genannt, Höhlen: Es sind genau solche, gehauen in die Felsen des Sacromonte-Viertels. Andere berühmte Spielstätten sind die Peñas: Lokale für Amateurgruppen, die regelmäßig Gesangsabende veranstalten. Zu den bekanntesten zählen La Platería in Granada, Los Cernícalos in Jerez und El Taranto in Almería. Bei sommerlichen Flamenco-Festivals treten in der Regel mehrere Künstler auf, die Cante, Guitarra und Baile kombinieren, was sich über drei, vier Stunden dahinziehen kann.

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